Wie entwickelte sich das Geschichtszentrum?

GUD GeschichtsUnterricht Digital ist der Nachfolger des Geschichtszentrums. Die alte Adresse bleibt, um die alten, aber immer noch brandaktuellen Beiträge zum digitalen Lernen und Lehren unter den alten Adressen noch erreichbar zu halten. Der Name hat sich geändert, weil es mir heute im Ruhestand nicht mehr in erster Linie um die Bereitstellung von Unterrichtsmaterial geht, sondern um den Schwerpunkt digitales Lehren und Lernen im Geschichtsunterricht und um die Bildungspolitik allgemein. Es gibt derzeit noch eine Unterrichtseinheit “Kreuzzüge”, die ich für nichtkommerzielle Bildungseinrichtungen und private Schulen kostenlos zur Verfügung stelle. Es geht mir dabei darum, vor dem Hintergrund des neuen Digitalpakts Schule meinen Ansatz für das digitale Unterrichten im Geschichtsunterricht zu zeigen und zu dokumentieren und den digitalen Unterricht mit einem Beispiel zu fördern, das jedermann selbst ausprobieren kann. Denn jetzt werden auch pädagogische Konzepte des digitalen Lehrens und Lernens wieder interessant, nachdem sich zehn Jahre oder länger in Sachen Digitalisierung der Schulen nichts Entscheidendes mehr getan hat.

Klassenraum mit Rechnern
Bild: Geschichtszentrum

Erste Phase:

Als die ersten PCs in die Schulen eindrangen, schrieb der SPIEGEL einen Artikel, der bei mir als Auslöser wirkte. Heft 9, 1994 hatte folgenden Titel: “Lernen mit Computer – Schöne neue Schule”. Der Artikel war dann überschrieben mit “Revolution des Lernens” und er ist heute noch im Internet zugänglich, hier der Link.

Er enthielt schon alle Versprechungen, die auch heute noch gemacht werden. Was mir einleuchtete, waren die neuen Möglichkeiten, die der Rechner bringen konnte, auch wenn diese damals noch ganz unentwickelt waren, aber es war ja klar, dass sie kommen würden:

  • der weltweite Zugriff auf Ressourcen und Bibliotheken vom heimischen Rechner aus. Schluss mit der Rennerei in eine Bibliothek, Ende der Rennerei auf die Kreisbildstelle! In jedem Klassenzimmer ist das ganze Wissen zugänglich! Lexika meterweise!
  • die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und Kooperation zwischen Klassen über E-Mail! Vorbei die Zeit, als man wegen jedem Briefchen aufs Postamt zur Schneckenpost gehen musste, um den Brief freizumachen!
  • Scannen! Man kriegt alles digitalisiert! Ich machte damals meine Aufschriebe für Stadtführungen noch von Hand!

Von Digitalkamera und digitaler Videokamera, wie sie auf dem schönen Bild des Artikels zu sehen waren, wagte ich nur zu träumen.

Tatsächlich bekam ich einen Rechner ins Klassenzimmer, und meine ersten Projekte entsprachen den Möglichkeiten der Mitte der 1990er Jahre:

  • Weil nur 1 Rechner vorhanden, lief alles auf Arbeitsteilung und Projekte hinaus. Der Rechner trug so zu einem schülerzentrierten Unterricht bei, und nebenher erlernte man seine Bedienung. Damals stand noch nicht in jedem Haushalt ein Computer.
  • Es gab ein Projekt “Römerzeitung”, an dem verschiedene deutsche Schulen teilnahmen; ein Projekt “Auswanderung nach Amerika” in Zusammenarbeit mit einer Klasse aus Baltimore, USA, die uns auf ihrer Deutschlandreise sogar einmal besuchen kam; ein Kreuzzug- Projekt mit einer Klasse aus Tübingen und über eine Newsgroup veröffentlichten wir einen Artikel über den Start des Satelliten ERS 1, der in Kourou startete, aber von Darmstadt aus gesteuert wurde. Die Firma Dornier hatte uns in das Thema eingeführt und ermöglichte uns, am Start in Darmstadt teilzunehmen. Die Ingenieure kontrollierten den Artikel über E-Mail auf sachliche Richtigkeit, und dann wurde er veröffentlicht, bevor entsprechende Artikel in den Printmedien erschienen!
  • Schon damals versuchten wir, Referate und eigenes Material zu digitalisieren, um es späteren Schülergenerationen zur Verfügung zu stellen, was aber wegen der mangelnden didaktischen Aufbereitung nicht funktionierte. Von digitalbasiertem oder webbasiertem Unterricht war noch keine Rede, aber erste Erfahrungen und auch Widerstände im Umgang mit dem Computer lagen nun vor.

Wer ermöglichte das alles?

Finanziell und organisatorisch Stadt und Schulleitung, aber ich selbst konnte ja mit dem Rechner zunächst selbst nicht umgehen. Meine Einführung in den Computer erhielt ich von meinem Kollegen G. im Rahmen der schulinternen Fortbildung, und wie man sieht, hat sie etwas bewirkt. Danach erstand mir Hilfe in Form eines Schülers, der mir zu einem Freund geworden ist und mit dem ich heute noch Kontakt habe: R. K., ich nenne nur die Anfangsbuchstaben. Er war es, der mich in Windows 3.11 einführte und mir meine erste Maus schenkte! Danke, R.! Einige Zeit war er Geschäftsführer einer Internetfirma mit über 30 Mitarbeitern und entwickelte Produkte für große Konzerne, jetzt ist er beratend tätig.

Die Einführung in das BWSN, das Baden- Württembergische Schulnetz, das auf FIDO- Technik beruhte, gab mir der Kollege J.B., der auch tolle Workshops organisierte. Später arbeitete er im Wissenschaftsministerium. Beim Umstieg auf das Internet – jetzt konnte man tatschlich Bilder einbinden! Der Browser stellte sogar Tabellen dar! – half ein versierter norddeutscher Kollege, und das war ein entscheidender Schritt vorwärts in die Zukunft. Nachdem dieser getan war, ging es an die Erstellung der Schulhomepage. Ich arbeitete damals mit einem Power Mac, M. F., der heute beim Chaos Computerclub dabei ist, führte mich in die Mac- Welt ein.
Vielen Dank euch allen!

Nebenzimmer mit Rechnern
Bild: Geschichtszentrum

Zweite Phase:

Den Hintergrund für die nächsten Schritte bildete das entwickelte Internet und die verbesserte Computerausstattung in der Schule. Bei Schulen ans Netz (SAN e.V.) lernte ich den Umgang mit CMS, also Content Management Systemen.

Das mp3-Format wurde erfunden, durch verbesserte Kompression konnten langsam auch kleine Videos ins Netz gestellt werden, Speichermedien und Datenleitungen wurden immer dicker und schneller.

Nach einem Schulwechsel erhielt ich ein Klassenzimmer mit Nebenraum und insgesamt 18 Rechnern mit Internetanschluss. Diese Luxusausstattung und die damit verbundene Nische ermöglichte nun den Übergang zu komplett webbasiertem, digitalem Unterricht, es musste nur noch das didaktisch aufbereitete Material bereit gestellt werden. Nach einer Experimentierphase mit CDs entstand dann im November 2003 das Geschichtszentrum, auf dem in der Zwischenzeit fast alles, was man brauchte, intern oder extern vorhanden war. Aus den einzelnen Unterrichtseinheiten erwuchs “GESCHICHTE ALS DENKFACH – Das digitale Lehrbuch des Geschichtszentrums” direkt aus der Praxis.

Durch den Umstieg auf WordPress – Hier hat mir K. K. ganz selbstlos geholfen, danke K.! Die Idee kam wieder von R. K., der mich schon ganz am Anfang meiner Laufbahn unterstützt hat! – kann in der Zwischenzeit jeder Artikel kommentiert werden, vor allem aber sind Blogs dazu gekommen. Dem Blog Pädagogik widme ich einige Zeit.

Dritte Phase: Umstellung auf PDF- Seiten seit September 2014 und Geschichtszentrum Shop

Nach einem Jahr Pension bin ich 2014 zu der Überzeugung gekommen, dass nun, wo ich nicht mehr für eigene Klassen arbeitete, ein Umstieg auf kostenpflichtige Materialien doch gerechtfertigt erschien. Auch der Arbeits- und Zeitaufwand machte mir diesen Entschluss leichter, der 10 Jahre kostenloser Angebote zu einem Ende brachte.

Das PDF- Format vereint die Vorteile digitalen Arbeitens mit der Möglichkeit, traditionellen Papierunterricht zu machen. Die Dateien sind technisch leicht zu handhaben und daher auch für Kollegen geeignet, die sich in Sachen Computer weniger sicher fühlen. Die Unterrichtseinheiten wurden im seit Mai 2014 bestehenden “Geschichtszentrum Shop” zum Download bereit gestellt.

Wer sich für “GESCHICHTE ALS DENKFACH – Das digitale Lehrbuch des Geschichtszentrums” interessiert, wird hier fündig:

Konzept Vernetzung, Interaktivität und mobiles Lernen
PDF- Datei. Es funktionieren nicht mehr alle Links.

Neue Herausforderungen

Der Shop und die Kommerzialisierung stellten mich vor ganz neue Aufgaben. So musste ich mich in den Shop und in seine technische Kombination mit dem Bezahlsystem Paypal erst selbst einarbeiten. Dann kam die Auseinandersetzung mit juristischen Fragen, die ich als juristischer Laie einer Firma übertragen habe. Dann ging es stark um SEO, also Suchmaschinenoptimierung. Marketing- Überlegungen mussten angestellt werden, was für mich auch neu war. Dann mussten alle Seiten ins PDF- Format umgearbeitet werden, um überhaupt verkäufliche Produkte zu kreieren. Viel Zeit nahmen die regelmäßigen Updates mit ihren Linkchecks ein, die ich alle von Hand machte. Bei über 60 Unterrichtseinheiten mit mehreren, manchmal sogar vielen Dateien war das kein Pappenstiel. Was ich auch nicht wusste: Jedes Vierteljahr war eine Steuererklärung fällig.

Vor allem aber wandelte sich der Charakter des ganzen Projekts total. Hatte ich in der Hochphase des alten Geschichtszentrums noch runde 1,8 Millionen Sessions im Jahr, so wurde das Geschichtszentrum mit dem Geschichtszentrum Shop ein kleines, aber feines Projekt . Die Zielgruppe waren jetzt ganz klar Lehrerinnen und Lehrer. Das schränkt die Zugriffe natürlich stark ein. Zum andern war “GESCHICHTE ALS DENKFACH – Das digitale Lehrbuch des Geschichtszentrums” ein überwiegend kostenpflichtiges Projekt, und da sind Lehrer – nichts für ungut, es hat ja auch wirklich sehr nachvollziehbare Gründe – eine etwas kitzlige Klientel.

Nun freute ich mich über eine kleine, aber doch stetig wachsende Stammkundschaft sowie über einen ansehnlichen Neukundenkreis, den ich mit Freude pflegte. Wenn ich mir vorstellte, dass jeder Kollege und jede Kollegin, die eine Unterrichtseinheit bei mir einkauften, ein(e) Multiplikator(in) war, dann bereitete mir das Vergnügen. Bis alles richtig optimiert lief, dauerte es einige Zeit. Ganz fertig wird man aber mit einem digitalen Buch nie.

Einstellung des Shops

Als mir die Arbeit mit der Pflege der Seiten über den Kopf wuchs, sah ich mich gezwungen, den Shop zu schließen Das Geschichtszentrum blieb in reduzierter Form bestehen, erfuhr aber kaum noch Pflege. Als dann die DSGVO als neue Hürde kam, machte ich auch das Geschichtszentrum zu. Ich hatte genug.

Vierte Phase: Vom Geschichtszentrum zum Blog DUG GeschichtsUnterricht Digital

Nach längerem Abstand und unter dem Eindruck des Digitalisierungspakts der Politik und der Digitalisierungsstrategie- Disskussion im Landtag von Baden- Württemberg entschloss ich mich zu einem Relaunch unter neuem Namen mit neuem Schwerpunkt. Wenn das Geld mal fließt und das Thema aus der Versenkung geholt wird, in die es lange neben den anderen Reformen im Bildungswesen geraten ist, geht es darum, wie man die Schulen am besten digitalisiert. wie man denn nun digital arbeiten kann und was der berühmte Mehrwert dabei ist. Ich denke, dass ich dazu auch 20 Jahren digitaler Unterrichtspraxis immer noch etwas zu sagen habe. Meine Theorie ist aus 20 Jahren Praxis entwickelt und erprobt worden. Das Material zum digitalen Unterricht ist nach all der Zeit überwiegend noch immer brandaktuell, – ich habe Veraltetes aussortiert  -und ich hoffe, vielleicht doch noch ein bisschen etwas bewegen zu können. Der gesamte Titel lautet jetzt

DUG GeschichtsUnterricht Digital
Blog für digitales Lehren und Lernen im Geschichtsunterricht | Bildungspolitik

Ich werde dran bleiben und die bildungspolitischen Entwicklungen verfolgen, im Rahmen meiner Kräfte und Möglichkeiten. Schauen Sie doch ab und zu herein, ich würde mich freuen!

 

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