Ketzerische Erkenntnisse des Erziehungswissenschaftlers Reichenbach in Sachen Auswendiglernen und Motivation

Hierzulande würde der Mann wahrscheinlich gekreuzigt.

AUSWENDIGLERNEN

Reichenbach: „Ich bin in der Tat ein dezidierter Vertreter des Auswendiglernens. Wer grundsätzlich Mühe damit hat, sollte lieber nicht als Lehrperson tätig sein. [...] Warum sollte man die Namen der wichtigsten Flüsse, Seen und Berge der Schweiz, der europäischen Hauptstädte oder einiger Knochen des menschlichen Skeletts nicht mehr auswendig lernen? Wie kann man es gut finden, dass am Ende der Schulzeit kaum jemand fehlerlos ein Gedicht by heart aufsagen kann, einen Liedtext, ja nicht einmal die Daten des Anfangs und des Endes des Zweiten Weltkrieges?“

Meine Schüler verfügten immer über eine Begriffsliste, wo die zum Strukturwissen gehörenden Begriff rot eingetragen waren. Strukturwissen durfte zu meiner Zeit in Baden- Württemberg noch jederzeit abgefragt und bewertet werden. Das waren noch Zeiten! Geschichtsdaten wurden bei mir regelmäßig abgefragt, weil die Chronologie und zeitliche Epochen für das Fach zentral sind. Auch das europäische Flusssystem war auswendig zu lernen, weil ohne räumliche Vorstellung im Fach nix geht. Deshalb hingen bei mir die Wandkarten im Zimmer. Auch Karten waren Bestandteile von Tests. Das war anfangs ungewohnt, aber die Notwendigkeit sahen die meisten ein.

Meine Begriffsliste gibt es noch heute. Da ich digital gearbeitet habe, waren in den digitalen Texte die Begriffe immer verlinkt. Die Schüler wussten mehrheitlich, wovon sie sprachen. Welche Begriffe im Test drankamen, war vorher auf der Lernplattform notiert und in der Stunde bekannt gegeben.

Es muss aber auch ergänzt werden, dass das Auswendiglernen selbstverständlich im Rahmen eines schülerzentrierten und problemorientierten Unterrichts stattfinden muss. Es geht nicht darum, Texte auswendig zu lernen, sondern Grundfakten, ohne die Verständnis und Problemorientierung nicht erreicht werden können.

http://geschichtszentrum.de/?p=1750

MOTIVATION

NZZ: „Das klingt jetzt ziemlich paternalistisch. Sollen denn die Schüler nicht gerne in die Schule kommen?“

Reichenbach: „Wenn sie mit Freude kommen, so ist das wunderbar. Erzwingen kann man es nicht. Wenn nur gelernt werden müsste, was die Schüler als persönlich bedeutsam erfahren würden, dann wäre der Schulbetrieb wohl lahmgelegt. Kommen die Schülerinnen und Schüler nicht gerne zur Schule, dann kommen sie eben trotzdem. Es ist normal, dass man Dinge tun muss, die man nicht mag.“

Autsch, der Mann hat ja so recht! Gut für ihn, dass er nicht an einer deutschen Universität lehren muss, sonst ginge es ihm dreckig. In seinen Vorlesungen würde gepöbelt, er würde in die rechte Ecke gequetscht.

https://www.nzz.ch/gesellschaft/bildungswunder-suedkorea-konfuzius-autoritaet-und-auswendiglernen-ld.1602013

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