Digitalisierung der Schule mit der FDP: viel Technik, viel Geld, kein pädagogisches Konzept

Das liest sich dann so: Die FDP will „an allen Bildungseinrichtungen die Entwicklung digitaler Lehr- und Lernkonzepte wie Blended Learning, Web Based Trainings, Massive Open Online Courses bis hin zu Serious Games sowie Virtual und Augmented Reality fördern.“ (Landtagswahlprogramm 2021 der FDP für Baden-Württemberg, Seite 25)

Immer wenn jemand mit englischen Begriffen großen Staub aufwirbelt, ist höchste Vorsicht geboten. Hier soll der Eindruck von Kompetenz erweckt werden, wo in Wahrheit keine ist. So auch hier bei der FDP. Viel Geschrei und wenig Wolle. Es geht eigentlich darum, eine Unterrichtsmethode für den digitalen Unterricht zu entwickeln, die es ermöglicht, den Unterricht in jeder Stunde digital durchzuführen, wenn man das möchte. Irgendein schönes Projekt mit neuen Medien durchführen, das kann jeder, aber den normalen Alltagsunterricht zu digitalisieren ist schwieriger, und genau da ist Hilfe für die Schulen erforderlich. Man merkt, dass die Verfasser obiger Programmpassage sich etwas angelesen oder vielleicht andächtig Herrn Precht gelauscht, aber selbst nicht praktiziert haben. Dazu muss man sich nur die von der FDP angeführten „Lehr- und Lernkonzepte“ anschauen, die sie verwirklicht sehen will:

Blended Learning: „Lernform, die in einer Kombination von Präsenzlehre und Online-Lehre die Vorteile beider Varianten verbindet.“ (FDP) Das sagt aber leider noch nichts über die konkrete Durchführung des Unterrichts aus, also darüber, WIE es gehen soll.

Web Based Trainings: „Lernprogramme, die die Möglichkeit der Internet-Technologie nutzen.“ (FDP) Toll, aber wie?

Massive Open Online Courses (MOOCS): „Onlinekurse, die auch eine große Teilnehmerzahl mit frei zugänglichem Wissen versorgen.“ (FDP) In Wirklichkeit sind MOOCS die elektronische Form des Vortrags, also ein Videovortrag. Lehrerzentrierter Unterricht in Reinform sozusagen. Vorsicht, Vorsicht!

Serious Games: „Spiele, die auch der Vermittlung von Bildung oder Informationen dienen, z.B. Vokabellernspiele.“ Das kann mal an bestimmten Stellen des Unterrichts in Frage kommen, ist aber keine Methode, wie der Standardunterricht insgesamt aussehen könnte.

Virtual und Augmented Reality: „In unterschiedlichem Maße gemischte Darstellung und Wahrnehmung computergenerierter und realer Bildanteile, z.B. ein virtuell begehbarer Nachbau des Kölner Doms vor 400 Jahren oder AR-Brillen, die bei Betrachten bestimmter Maschinen Bedienungshinweise einblenden.“ (FDP) Das ist eigentlich kein Lernkonzept, erst recht keine Methode, wie der Standardunterricht aussehen könnte.

Und da hört es bei der FDP schon auf. Wie ein realistisches und realisierbares Konzept aussehen könnte, siehe hier:

https://geschichtszentrum.de/?p=15820

Es ist wie überall in der Parteienlandschaft: viel Digitalisierungseuphorie, vor dem Coronahintergrund große Bereitschaft, viel Geld auszugeben, aber was man dann mit der neuen Technik eigentlich genau anfangen will, davon hat man nur eine vage Vorstellung. Hausaufgaben machen!

https://www.fdpbw.de/wp-content/uploads/2020/07/Landtagswahlprogramm_2021_final.pdf

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