Avanti, Dilettanti! Digitalisierung der Schulen in Friedrichshafen kommt wohl ein Schrittchen voran

Die Stadt sorgt jetzt nach verlorenen Jahrzehnten für Breitbandanschlüsse und tatsächlich für ein offenes WLan. Man kam also zur Erkenntnis, dass der Elektrosmog doch nicht so schlimm ist, wie vor 25 Jahren befürchtet. Ganz große Gratulation! Und jetzt?

„Jetzt müssten die Schulen definieren, was sie brauchen.“ (SchwäZ) Ja, was wohl? In jedes Klassenzimmer und in jeden Kursraum ein Projektionsgerät, das ist am wichtigsten. Daneben vielleicht noch ein Drucker. Außerdem noch Verdunkelungsmöglichkeiten, sofern noch immer nicht vorhanden. Die Liste kann schnell aufgestellt werden.

Das Problem in Friedrichshafen war aber immer, dass viel zu wenige Sacharbeiter für die Bearbeitung der Anträge da waren. Da konnte man oft Monate und auch mal ein Jahr oder länger auf eine Entscheidung warten. Es gab Zeiten, da waren zwei Mitarbeiter für alle Schulnetze der Häfler Schulen zuständig. Kann mir nicht vorstellen, dass das inzwischen sehr viel besser geworden ist.

„Inzwischen wurden die 647 iPads zum Verleih an die Schülerinnen und Schüler der 14 städtischen Schulen verteilt. [...] Doch mit diesen Geräten beginnen auch die Probleme. Sie sind so aufgebaut, dass sie für den Gebrauch durch Schüler erst noch freigegeben werden müssen. Praktisch können Schüler keinerlei Daten darauf speichern.“ (SchwäZ)

Typisch. Wo immer es geht, werden bürokratische Hürden errichtet. Das zeigt, über welche „Kompetenz“ die Stadt bei der Schuldigitalisierung verfügt.

„Das weitere Prozedere jetzt wird die Aufstellung der Medienentwicklungspläne sein“, sagt Steffen Rooschüz.

Ach Gott, das alte Kreuz mit den Medienentwicklungsplänen der überforderten Schulen. Für die pädagogische Nutzung der digitalen Medien und für die Nutzung der Lernplattformen – Baden-Württemberg leistet sich nämlich davon zwei, ob Sie es glauben oder nicht – muss stattdessen ein verpflichtendes Fortbildungsprogramm von oben vom Kultusministerium aufgelegt werden, sonst wird das nichts. Aber das geschieht schon mangels eigenem Konzept hundertprozentig nicht, lieber wälzt man wie bisher die Verantwortung „demokratisch“ nach unten ab.

Zum Schluss noch ein Wort von Steffen Rooschüz, dem stellvertretenden Schulleiter der Häfler Schulen: Die Entwicklung müsse nachhaltig sein und dürfe nicht dazu führen, dass in zwei Jahren wieder veraltete Geräte herumstünden.

Nachhaltig klingt immer gut. Dass die Geräte immer veralten, ist offenbar noch nicht überall angekommen. Dass deswegen die Ausrüstung aller Schüler und Lehrer deshalb auf Dauer unbezahlbar wird, zumal wenn man nebenher die Welt und das Klima retten muss, auch nicht. Die logische Schlussfolgerung, dass man auf BYOD (Bring dein eigenes Gerät mit) setzen und die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen schaffen muss, wird natürlich auch nicht gezogen.

Avanti, Dilettanti!

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