+++ Digital unterrichten. Ein kurzer Leitfaden für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Eltern, die wissen wollen, wie es gehen kann +++

Voraussetzung: Vorhandensein einer digitalen Infrastruktur inklusive eines Beamers oder Monitors

Sie wollen als Lehrkraft eine Unterrichtseinheit halten. Wie und in welchen Unterrichtsphasen?

Erstens: Einführung

Diese geschieht bei Präsenzunterricht traditionell, bei Fernunterricht über Videoconferencing.

Zweitens: Unterrichtsmaterial auf der Lernplattform freischalten

Dies geschieht in der Form eines Lernzirkels oder einer Lerntheke, wobei die einzelnen Stationen einzelnen Ordnern auf der Lernplattform mit dem digitalen Unterrichtsmaterial entsprechen. Dieses besteht aus digitalem Arbeitsmaterial und Aufgaben, wobei diese nach Schwierigkeitsgrad differenziert sein können (Individualisierung).

Drittens: Bearbeitungsphase

Ist der Lernzirkel umfangreich, werden nicht alle Ordner gleichzeitig freigeschaltet, damit die Auswertungsphase nicht zu lang wird. Die Schüler wählen die Reihenfolge der Aufgaben und bestimmen selbst über ihr Arbeitstempo. Die Schüler arbeiten bei Präsenzunterricht die restlichen Aufgaben, die sie in der Schule nicht schaffen, zu Hause ab. Bei Fernunterricht brauchen sie so lange, wie sie brauchen. Um das abschätzen zu können, braucht man etwas Erfahrung und Absprache mit den Schülern.

Die Schüler laden ihre Arbeitsergebnisse rechtzeitig auf die Lernplattform hoch, wo der Lehrer sie sichten kann und einzelne Arbeitsergebnisse kommentieren kann. Der Lehrer wählt die für die Auswertung optimalen Arbeitsergebnisse aus. Dies sind nicht immer die korrekten Arbeitsergebnisse, sondern die mit typischen Fehlern.

Viertens: Auswertungsphase

Diese dauert länger als im herkömmlichen kurzschrittigen einstündigen Präsenzunterricht. Bei Fernunterricht erfolgt sie im entsprechenden Programm. Dabei werden Arbeitsergebnisse besprochen und mit kurzen Notizen versehen, auch die Rechtschreibung und Zeichensetzung korrigiert. Anschließend erhält der Schüler, dessen Arbeitsergebnis besprochen wurde, die Aufgabe, auf Grundlage der Besprechung eine Musterfassung zu erstellen und auf die Lernplattform hochzuladen, wo sie in einen Ordner mit Musterergebnissen abgelegt wird.

Fünftens: Weitere Bearbeitungsphase, weitere Auswertungsphase, usf., bis alles fertig ist.

Sechstens: Zusammenfassung und Rückmeldungen zur Unterrichtseinheit

Vorteile gegenüber dem analogen Papierunterricht:

- Der lehrerzentrierte, kurzschrittige Unterricht entfällt
- Der Schüler bestimmt Arbeitstempo und Reihenfolge der Aufgabenlösung selbst
- Die Auswahl der zu besprechenden Lösungen in der Auswertungsphase wird optimiert
- Es entstehen Musterfassungen, auf die auch fehlende bzw. kranke Schüler zugreifen können.
- Fernunterricht ermöglicht richtigen Unterricht auch in Coronazeiten
- Das digitale Unterrichtsmaterial kann Multimedia und Filme oder Videoclips enthalten, die individuell bearbeitet werden können
- Links erlauben den Zugriff auf Material im Internet
- Der Unterricht kann komplett nachvollzogen werden, auch noch nach Monaten oder einem Schuljahr. Das ist etwa für Abiturienten ein großer Vorteil.
- Die Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern und Eltern verbessert sich durch den Einsatz der Lernplattform

Eltern sollten der Schulbehörde und den Parteien und Gemeinden gegebenfalls Druck machen, die notwendige funktionierende Infrastruktur endlich zur Verfügung zu stellen. Das Kultusministerium muss die notwendigen verpflichtenden Lehrerfortbildungen endlich organisieren, ein funktionierendes Videoconferencingprogramm benennen – etwa Microsoft Teams, mit dem auch viele Unternehmen arbeiten, die es offenbar für sicher genug halten – und eine extern betreute Lernplattform kaufen. Mit dem staatlichen Missmanagement muss endlich Schluss sein. Der Staat muss seine Hausaufgaben machen.

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