Was am gängigen Medienkonzept von Schulen dran ist

Formulieren wir das gängige Medienkonzept aus verschiedenen Textbausteinen mal so: „Wie kann Schule in einer selbst­lernenden Netz­werk­gesell­schaft aussehen und funktionieren? Ausgehend von dieser Frage hat die Xy-Schule ein integrales Medien­konzept ent­worfen. Ein besonderes Augen­merk liegt darauf, bestehende Strukturen und Arbeits­weisen nicht einfach digital zu über­setzen, sondern den Kultur­wandel, der damit ein­her­geht, bewusst mit­zugestalten. Mit einem innovativen Lern­system, das neben dem selbst­organisierten Lernen auch eine veränderte Rolle der Lehr­kräfte sowie eine andere Leistungs­kultur beinhaltet, wird eine wichtige Grund­lage für diesen Kultur­wandel gelegt. Der Einsatz von digitalen Medien erweist sich dabei als hilf­reicher Schritt.“

Schön.

Was soll „selbstlernend“ bedeuten? Dass der Schüler unabhängig vom Lehrer selbst darüber bestimmt, was er lernt, also dass er seine Lernziele und Lerninhalte selbst bestimmt? Nein, danke. Damit ist er überfordert, und das Ganze wird wegen beliebiger Lernziele und Lerninhalte gesellschaftlich irrelevant.

Dass er vom Lehrer zur Verfügung gestelltes Material, das vom Lehrer gesetzte Lernziele impliziert, möglichst so, dass er zwischen verschiedenen Materialien auch unterschiedlichen Niveaus in längeren selbstständigen Arbeitsphasen auswählen kann? Ja, bitte. Das nennt man Individualisierung des Unterrichts, und wenn man darunter auch den hochtrabenden Begriff „“selbstorganisiertes Lernen“ verstehen will, ist es auch recht. Die „Selbstorganisation“ besteht dann darin, zwischen unterschiedlichen Materialien und unterschiedlichem Niveau zu wählen und bei gegebener Unterrichtsorganisation auch auf das Lerntempo schülerseitig Einfluss zu nehmen. Ist gut so.

Es ist aber mit dem oben genannten Textbaustein einer „veränderten Rolle der Lehrkräfte“ unvereinbar, mit der der berüchtigte „Lernbegleiter“ gemeint ist. In Wirklichkeit ist der Lehrer, wenn er wie oben beschrieben handelt, immer noch derjenige, der den Lernprozess steuert, wenn auch indirekt, aber doch wirksam, denn er setzt die Lernziele, auch die Lernziele methodischer und sozialer Art, stellt den Lernset zur Verfügung und organisiert die Rahmenbegingungen des Lernens. Mit anderen Worten: Es handelt sich um ein weiterentwickeltes Konzept der Lernzielorientierung.

Das ist es, was ich befürworte. Wenn der Textbaustein „bestehende Strukturen und Arbeits­weisen nicht einfach digital über­setzen“ bedeutet, dass der kurzschrittige, vom Lehrer in Häppchen aufgeteilte Unterricht von früher ersetzt werden muss, dann finde ich das in Ordnung. Der Computer erlaubt einen solchen Unterricht auch gar nicht, er erzwingt längere Unterrichtsphasen. Darin besteht dann die Weiterentwicklung des Konzepts der Lernzielorientierung. Dass eine Ergebnisüberprüfung und -besprechung und eine Leistungsbewertung am Ende stehen muss, sollte sich von selbst verstehen.

Dieses Konzept gehört in die Fortbildungsveranstaltungen zur Digitalisierung des Unterrichts, dann läuft das schon.

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