Kommentierte Netzfunde zur Digitalisierung des Schulunterrichts (3)

>Mein Kind war in einer sogenannten Tabletklasse. Alles nur noch mit Tablet. Keine Bücher, nichts mehr aufschreiben. [...] Tatsächlich mal im Ernst, welches Kind lernt im Unterricht, wenn es Zugang zu YouTube und Co hat?

Alles nur noch mit Tablet, keine Bücher, nichts mehr aufschreiben: Wenn das stimmt, lief etwas schief. Ich glaube es aber nicht, sondern hier dürfte ein Irrtum vorliegen, nämlich derjenige, dass Bücher nur analog, nicht aber digital existieren. Außerdem braucht guter Unterricht nicht unbedingt an ganze Bücher gebunden zu sein, es genügen normalerweise auch Auszüge und Ergänzungen.

Zum Thema Buch und Tablet:

Auf meinem Tablet liegen inzwischen über hundert Bücher, mehr liegen bei mir online. Die Helligkeit des Bildschirms passe ich den Lichtverhältnissen an, die Schriftgröße stelle ich für meine Bedürfnisse ein. Bei Nacht brauche ich keine Nachttischlampe, das Tablet erhellt von innen. Alles gut für meine Augen. Auf meine Texte greife ich überall zu, auch im Urlaub. Textstellen kann ich markieren und kommentieren, ohne dass das Buch Schaden leidet. Unbekannte Wörter oder Wörter in einer fremden Sprache kann ich durch Drauftippen nachschlagen. Notiere ich mir die Bedeutung von Wörtern aus einem fremdsprachlichen Text als Kommentar im Buch, erstellt das Programm eine Kommentarliste und ich habe dann einen Vokabeltrainer, der auch noch das Textumfeld der Vokabel anzeigt. Meine Stadtbibliothek erlaubt mir den Online- Zugriff auf Bücher. Das Gewicht der Bücher bleibt immer gleich, es entspricht etwa dem eines kleinen Taschenbuchs.

Wer gerne ein gedrucktes Buch lesen will, kann das machen, mit allen gesundheitlichen und praktischen Nachteilen gegenüber dem Tablet, aber Bücher gibt es schon lange digital, auch Schulbücher.

Thema Aufschreiben:

Natürlich kann und muss aufgeschrieben werden, analog wie digital. Digital ist besser, denn der Aufschrieb kann verschickt und für alle sichtbar kommentiert, erweitert oder gekürzt und bei Rechtschreibung und Zeichensetzung verbessert werden. Es gibt im Ergebnis für alle Schüler zugängliche Musterfassungen.

Thema YouTube:

Welches Kind lernt im Unterricht, wenn es Zugriff auf YouTube und Co. hat? Die Kinder, die ich mit dem Computer unterrichtet habe, zum Beispiel.

Erstens: Auf YouTube gibt es auch gute und nützliche Filme.

Zweitens: Wer neben dem Unterricht her was anderes macht, lernt länger zu Hause. Man muss dazu wissen, dass sich die Unterrichtsphasen mit dem Computer verlängern. Man muss die Erarbeitungsphase (früher: „Arbeitsauftrag“) zeitlich ausdehnen, nämlich auf mehr als eine Schulstunde, also Schulstunde plus Hausaufgabe. Was in der Schulstunde nicht gemacht wird, wird zu Hause gemacht. Die Auswertung erfolgt in der kommenden Stunde. Die Schüler bestimmen so ihr Lerntempo selbst. Das funktioniert ganz prima. Ein Ausschluss vom digitalen Unterricht wird vom Schüler als Strafe empfunden, und zwar zurecht. Ich schreibe aus Erfahrung.

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