Was bisher über die Standards für den Fernunterricht bekannt wurde

1 – Der Fernunterricht bildet den Präsenzunterricht nach Stundenplan ab.
Das ist ja wohl eine Mindestanforderung. Gleichwohl wurde sie bisher oft nicht eingehalten.

2 – Es sollen alle Schüler, auch die im Fernunterricht, dieselben Unterrichtsmaterialien bekommen.
Ergibt sich aus 1.

3 – Schüler ohne eigenes Tablet oder Laptop können eines bei der Schule leihen.
Wenn tatsächlich vorhanden. Immer imliziert dies den Grundsatz: BYOD – Bring Your Own Device – Bringe dein eigenes Gerät mit. Diesen Grundsatz vertrete ich schon lange.

4 – Bei schlechter Internetverbindung sollen einzelne Schüler an der Schule lernen dürfen.
Nun ja. Ob das bei Schülern klappt, die jwd – janz weit draußen – mit notorisch schlechter Busverbindung wohnen?

5 – Zwingend ist eine regelmäßige und verlässliche Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern.
Das hat bisher nicht immer geklappt. Aber weil das über eine facebook- oder whatsapp- Gruppe nicht erlaubt ist, dürfte es in der Praxis Probleme machen. Mailgruppen sind da zuwenig. Das KuMi muss klar sagen, welche Apps erlaubt sind. Mail plus den ganzen Tag Telefonanrufe sind jedenfalls unzumutbar.

6 – Lehrer müssen den digitalen Unterricht dokumentieren.
Immerhin. Aber wie soll es genau aussehen? Wie ein Tagebucheintrag? Oder sollen Unterrichtsmaterial, Aufgabenstellungen und Onlinesitzungen gespeichert werden? Wo?

7 – Den Fernunterricht sollen vor allem von der Präsenz befreite Lehrer übernehmen.
Hier spricht der Kultusbonze, der vom Unterrichtsalltag scheinbar keine Ahnung hat. Es klingt aber nach außen gut, und das ist wohl die Hauptsache.

Was zu klären bleibt:

- Mit welchen Apps darf gearbeitet werden? Welche entsprechen tatsächlich den Datenschutzbestimmungen? Da gab es bisher noch ein Problem.

- Wann stellt auch der Präsenzunterricht auf digitales Schulmaterial um? Das würde neben vielen prinzipiellen Vorteilen auch die Abstimmung von Präsenz- und Fernunterricht erleichtern.

- Wenn Präsenz- und Fernunterricht vom Material, von der Aufgabenstellung und von der Wertigkeit her gleichgestellt werden, wie sieht dann der Fernunterricht genau aus? Ist der Fernunterricht Online- Unterricht, zumindest in bestimmten Unterrichtsphasen, oder nicht? Wenn nicht, wie soll er dann mit dem Präsenzunterricht jemals wirklich gleichgestellt werden können?

- Wenn Präsenz- und Fernunterricht vom Material, von der Aufgabenstellung und von der Wertigkeit her gleichgestellt werden, gibt es da beim Fernunterricht ebenfalls Auswertungsphasen unter Moderation des Lehrers, wie früher gehabt im Präsenzunterricht, oder entfällt die Auswertungsphase zugunsten der Zustellung unbesprochener Lösungsblätter, die der Schüler selber mit seiner eigenen Lösung ohne nachherige Besprechung im Plenum abgleichen soll? Falls der Präsenzunterricht jetzt schon ein Lösungsblattunterricht ohne verbindliche Rückmeldung und Besprechung ist, muss da meiner Meinung nach eine nachhaltige Veränderung des Präsenzunterrichts stattfinden. Da muss Klarheit geschaffen werden.

- Kurzschrittiger Unterricht nach dem Motto -> einleitender Impuls -> Fragestellung -> Arbeitsauftrag -> Besprechung, und das im Rahmen einer Dreiviertelstunde, geht mit dem Computer nicht. Da muss es Wechselwirkungen zwischen Fern- und Präsenzunterricht geben. Ist das Problem im KuMi überhaupt erkannt?

Jedenfalls ist es jetzt Zeit für durchdachte digitale Unterrichtskonzepte für Präsenz- wie Fernunterricht, die dann auch per Fortbildung an die Schulen weitervermittelt werden müssen, also von oben, und zwar verpflichtend.

https://www.schwaebische.de/sueden/baden-wuerttemberg_artikel,-praesenzunterricht-fuer-alle-jahrgaenge-so-soll-das-schuljahr-2020-2021-starten-_arid,11243342.html

 

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