Wer nicht weiß, wie er digitale Medien einsetzen soll, wird sie auch nicht einsetzen

Eine Hauptbarriere gegen die Digitalisierung des Schulunterrichts – neben dem Überdruss an der nervigen Reformdauerschleife in der Schule – wird in der aktuellen Diskussion völlig übersehen, nämlich die nicht vorhandenen oder falschen inhaltlichen Konzeptionen von digitalem Unterricht. Wer nicht weiß, wie er mit der „neuen“ digitalen Technik pädagogisch arbeiten soll, wird diese Technik auch nicht anwenden. Ein Ministerium, das das selbst nicht weiß, wird auch keine Fortbildungen dazu anbieten, sondern das Problem elegant auf die Schulen abwälzen, Stichwort „Demokratie“, „Partizipation“, „Motivation“, „alle mitnehmen, keinen zurücklassen“.

Die Szene, die die Digitalisierung der Schule lautstark befürwortet, wird von praxisfernen Utopisten völlig dominiert, und diese erweisen mit ihren Utopien der Digitalisierung des Unterrichts einen Bärendienst. Da sie im Prinzip die Vorgabe von Lerninhalten ablehnen und alles dem Schüler freistellen wollen, wird Bildung beliebig, gesellschaftlich irrelevant, und Bildungspläne und Fachunterricht kann man sich schenken. Tatsächlich ist der Fachunterricht ja teilweise in manchen Bundesländern ja bereits zum Teil abgeschafft oder eingeschränkt.

Lehrer, die auch nur einen Funken Verantwortlichkeit und Realismus besitzen, werden das utopistische Konzept ablehnen und werden dafür von der Utopistenszene in Medien und Hochschulen als ewig Gestrige heruntergemacht. Dass das die Digitalisierung des Unterrichts massiv behindert, liegt auf der Hand. Bevor nicht geklärt ist, wie man digitalen Unterricht macht, braucht man keine Milliarden für Geräte rauszuschmeißen, die dann doch nicht oder nicht zureichend und adäquat verwendet werden.

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