Rezension: 14.000 Kilometer – Die Männer der Emden. Die wahre Geschichte einer unglaublichen Odyssee

Kolumne

Der Film ist schon älter, kann aber seit 19. November 2013 auf DVD/ Blu-Ray für 12,99 € erworben werden. Der Werbetext lautet: “Erster Weltkrieg 1914: Der Stolz der kaiserlichen Flotte, der Kreuzer ,SMS Emden’, liegt im Indischen Ozean vor einem kleinen Atoll. Ein Landungszug von 50 Mann ist an Land, um die Funkstation unschädlich zu machen, als die Emden von dem australischen Zerstörer Sydney gestellt wird. Die Besatzung hat keine Chance und die Kameraden an Land müssen fassungslos mit ansehen, wie ihr Schiff und ihr Zuhause versinken.

Aufgeben kommt jedoch nicht in Frage. Unter der Leitung ihres Kapitänleutnants von Mücke (Sebastian Blomberg) wagen die Männer der Emden das Unmögliche: den Heimweg nach Berlin. Es beginnt eine gnadenlose Odyssee auf Leben und Tod. Auf 13.000 km kämpfen sie gegen Feinde, Hunger und Krankheiten, immer getrieben von ihrem unbeugsamen Willen zu überleben.”

Die Reise führt mit einem Schoner zur Westküste der arabischen Halbinsel, die damals unter osmanischer Herrschaft steht, von dort per Kamel im Landesinnern bis zur Hedschasbahn, mit der die Reise nach Konstantinopel und von dort nach Hause führt.

Ken Duken spielt Karl Overbeck, den sypathischen Offzier mit gutem Herzen, der heimlich mit Maria von Plettenberg (Felicitas Woll) verlobt ist, von ihr aber durch die Kriegsumstände getrennt wird. Sein unsypathischer Gegenspieler wird von Friedrich von Schulau (Jan Henrik Stahlberg) verkörpert, der aber unterwegs stirbt. Oliver Korritke spielt einen taffen Maat, Sibel Kekilli die emanzipierte Türkin Selima Bey, die sich in Arabien der Karawane anschließt, weil sie zu ihrem Bruder will.

Was nach Karl May klingt, hält viel von dem, was es verspricht. Die Handlung lehnt sich an eine wahre Begebenheit an, die hierzulande allgegenwärtige Politcorrectness hält sich bis auf den gegen das Kaiserreich voreingenommenen Vorspann und die Figur der Selima Bey in erträglichen Grenzen. Dass diese als emanzipierte Frau auftritt, unter Männern mit dem Gewehr auf die angreifenden Beduinen schießt und daneben Ken Duken auch noch das Händchen hält, ist natürlich im Ersten Weltkrieg im moslemischen Arabien undenkbar und nur dem aktuellen Zeitgeist geschuldet. Es fällt unter die Rubrik “Märchen aus dem Orient”, liegt dabei aber auf der Linie von Karl May.

Auch dass Ken Duken am Schluss nach Schweden flüchtet und Kapitänleutnant von Lücke nach dem Zweiten Weltkrnieg gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik kämpft, passt ins Zeitgeistschema und macht den Film für den Durchschnittszuschauer annehmbar. Der Streifen soll ja kein Heldenepos sein; Heldentum im Zusammenhang mit einem Weltkrieg und deutschen Soldaten fiele in der Kritik natürlich von vornherein durch und würde zu einem finanziellen Flop führen. Dieser wird auch dadurch vermieden, dass ein Liebeskonflikt ins Lichtspiel kommt: Hält die Liebe zwischen Karl Overbeck und Maria von Plettenberg? Wird Karl Overbeck gegenüber Selima Bey schwach? Nein, wird er nicht, und die Liebe siegt am Schluss.

Unter dem Strich bleibt der Film für eine bundesdeutsche Produktion und angesichts des Themas erstaunlich objektiv, und er gibt durchaus auch einen ersten Einblick in die Geschichte dieser Zeit. Man kann ihn als Abenteuerfilm unbefangen genießen, die Bilder allein sind schon ein Genuss, und die schauspielerischen Leistungen überzeugen. Ein gutes Weihnachtsgeschenk, finde ich.

Website zum Film

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