Die Zukunft des Schulbuchs

Ich habe auf dem Blog LehrerStuhl den Artikel “Zur Zukunft des Lernens in einer digitalen Gesellschaft” so ausführlich kommentiert, dass ich diesen Kommentar im Geschichtszentrum als eigenen Artikel veröffentlichen möchte. Es geht um die Berechtigung eines digitalen Lehrbuchs und um die Abschaffung der Schulfächer zugunsten eines radikal individualisierten Lernens als Reaktion auf neue technische Möglichkeiten und einen konstruktivistischen Lernbegriff. LehrerStuhl bezieht sich auf den Artikel von Felix Schaumburg “Die Zukunft des Schulbuchs – oder: Wie begrenzt wollen wir lernen?“, aus dem ich im Folgenden zitiere. Die Zitate kennzeichne ich zur Verdeutlichung farbig..

“An dem Schulbuch hängt aber immer ein alter Lernbegriff, linear und an einem Kanon orientiert. Ein digitales Schulbuch reicht nicht aus, um in Zukunft zu bestehen.

Ein digitales Schulbuch reicht nicht aus, es kann aber ergänzt und erweitert werden, es darf aber nicht abgeschafft werden.

Ein Bildungsideal, das auf einseitige Mediennutzung und verhinderte Kommunikation zwischen Autor und Leser setzt (Buchkultur), kann sich unsere digitale Gesellschaft nicht mehr erlauben. Daraus ergibt sich, dass ein Schwerpunkt auf die kommunikativen Prozesse gelegt werden muss.

Lernen kann ohne Einschränkung von verfügbaren Informationsquellen stattfinden. Es kann kollaborativ, vernetzt und individualisiert werden.

Der Fachunterricht kann und muss kommunikativer und kollaborativer werden, man kann auch stärker individualisieren, aber innerhalb der Grenzen des Fachunterrichts.

Die technischen Bedingungen, die uns bisher davon abgehalten haben, haben sich gerändert. Man muss kein Weissager sein um zu sehen, dass der Standardzustand zukünftiger Schulen nicht der geführte Unterricht nach Lehrplan ist, sondern Projektunterricht mit der Möglichkeit der persönlichen Sinnfindung und individueller Lernwege.

Nur Projektunterricht wird nicht möglich sein, auch nicht, wenn man einen extrem überdehnten Projektbegriff (Lisa Rosa) zugrunde legt, nicht zuletzt wegen des damit verbundenen Zeitaufwands. wenn nur noch Projektunterricht gemacht wird, wird der Fachunterricht stofflich extrem eingeschränkt. Das muss zu einer massiven Niveauabsenkung führen. Selbst wenn sich der Irrweg der Abschaffung der Fächer durchsetzen sollte, wird er wegen seiner absehbar verheerenden Ergebnisse bald wieder rückgängig gemacht werden, aber die Verheerungen, die dieser Schritt anrichtet, werden nicht einfach wieder gut gemacht werden können.

Die “Schule” wird unter diesen neuen Bedingungen aufbrechen. Einheitliche Bücher, Noten und Lehrpläne verlieren ihre Bedeutung. Auch der in wissenschaftliche Disziplinen getrennte Fachunterricht bricht weg.

Das ist einfach nicht wahr. Hier wird mit technischen und unausgesprochen auch lerntheoretischen Argumenten versucht, die Fächer abzuschaffen. Die Fächer verlieren ihre Bedeutung aber nicht, sie haben gesellschaftliche Relevanz, sowohl im Sinne des Humboldtschen Bildungsbegriffs als auch im Hinblick auf den Wissenschaftsstandort Deutschland als auch im Hinblick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wer an den Fächern sägt, sägt an Bildung, an Wissenschaft und Wohlstand in Deutschland.

Gegenüber den Sinnfragen der Lernenden erscheinen die Disziplinen wie willkürliche Grenzen, die den Antworten im Wege stehen.

Auch das ist nicht wahr. Viele Fragen mit Relevanz für die Lernenden erschließen sich erst über die Fächer. Ohne das Fach kommt der individuell Lernende oft gar nicht auf entscheidende Fragen.

Außerdem darf das individuelle Lerninteresse des Lernenden nicht verabsolutiert werden, sondern es geht um eine Symbiose von gesellschaftlichen Interessen und Interessen der Lernenden. Rein individuelle Sinnfragen von Lernenden besitzen für die Gesellschaft keine ausreichende Relevanz, aber die Gesellschaft soll eine schulische Infrastruktur bezahlen. Das kann nicht sein, wenn für die Gesellschaft nichts dabei herauskommt. Herauskommen kann aber nur etwas, wenn die Fächer erhalten bleiben, siehe oben.

Und das Schulbuch? Die mit den Möglichkeiten radikal-individualisiertem Lernen (sinnentfaltendes Lernen) einhergehenden Ansprüche an Informationsquellen kann kein Verlag der Welt in einem zentralistischen Planungsprozess erfassen und in einem Buch zusammenbringen. Das Netz stemmt diese Anforderungen jedoch mit Leichtigkeit.

Radikal- individualisiertes Lernen schafft der Schüler doch gar nicht. Das ist die übliche, weltfremde Idee, die durch dauernde Wiederholung auch nicht überzeugender wird. Außerdem ist radikal-individualisiertes Lernen schlicht Privatsache.

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