Blog – Was ist 1:1 Computing?

Blog Technik und Pädagogik

1:1 Computing bedeutet: Jeder Schüler und jede Schülerin benutzt einen von der Schule gestellten oder privaten Computer in der Schule. Sehen und hören Sie ein Plädoyer von Beat Döbeli Honegger für die Verwendung von privaten mobilen Computern, also Tablets oder Smartphones, im Unterricht.

Hier sein Eröffnungsvortrag auf der Fachtagung “One to One Computing in der Schule: Wie viele Computer braucht ein Schulkind?” vom 11.02.11 in Goldau / Schweiz, gehalten an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, Schwyz
Dauer des Videos: 16:35 min

Ein paar Anmerkungen möchte ich zu diesem Vortrag aber doch machen, geht es doch in dieselbe Richtung wie das, was ich in meinem Artikel “Vision mobile Schule” am 14. Februar 2013 gepostet habe, nur mit viel mehr und auch sehr guten Argumenten.

Es wäre auch aus meiner Sicht wünschenswert, dass es so kommt, wie von Beat Döbeli beschrieben, aber leider bin ich nicht so optimistisch. Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist groß und wird es über lange Zeit auch bleiben. Diese Prognose treffe ich aufgrund eigener, langjähriger Erfahrungen.

1.
Die Stadt Friedrichshafen, in der ich unterrichte und die sich mit dem Titel T-City schmückt, hat die Einrichtung von WLANs an den Schulen der Stadt untersagt. Ich denke, dass es mit den Einsprüchen ängstlicher Lehrer(innen) und Eltern zusammenhängt, die Gesundheitsschäden für ihre Kinder und sich selbst durch Strahlung befürchten.

Wenn aber Stadt und / oder Schule kein WLAN genehmigen, muss jeder Schüler die Gebühren für den Internetzugang selbst bezahlen. Dazu werden viele Eltern, wie ich die Sache sehe, nicht bereit sein. Man wird sich auf die Lehrmittelfreiheit berufen. Erst wenn Telefonieren so billig geworden ist, dass ohnehin jeder oder jeder zweite User eine Flatrate hat, wird man in diesem Punkt durchdringen können.

2.
Zur Zeit wird der Generationswechsel an meinem Gymnasium ebenso wie in ganz Baden- Württemberg abgeschlossen. In Baden- Württemberg gibt es keine gleichmäßig- lineare Einstellung von Lehrkräften, sondern die Einstellung geschieht wellenartig nach Generationen. Meine Schule hat den Generationswechsel relativ spät abgeschlossen, aber dennoch so früh, dass die neu eingestellten Lehrerinnen – neue männliche Lehrer gibt es kaum noch – noch nicht mit dem Computer aufgewachsen, also keine digital natives sind. Die neue Generation der Lehrkräfte unterscheidet sich dadurch wenig von der Generation, die nun die Schule verlässt.

Das wiederum heißt, dass sich die Verhältnisse in den nächsten 20 oder 30 Jahren höchst zögerlich verändern werden, wenn überhaupt. Natürlich würde ich mich freuen, wenn es anders wäre, aber bis sich Mentalitäten wandeln, braucht es viel Zeit.

3.
Andererseits besteht in meiner Abschlussklasse 12, in der ich mich erkundigt habe, eine hundertprozentige Abdeckung mit Smartphones. Das traditionelle Telefon- Handy gibt es auch im Laden kaum noch. Die technischen Möglichkeiten sind also da, aber statt sie zu nutzen, gibt es im Gegenteil wie wohl an fast allen Schulen, so vermute ich, ein Handy- Verbot. Dafür gibt es Gründe, aber im Effekt ist 1:1 Computing mit eigenen Geräten auf diese Weise praktisch nicht möglich. Deshalb wächst die Kluft zwischen technischen Möglichkeiten und schulischem Einsatz dieser Technik weiter.

4.
Dass Unterricht mit Tablets und Smartphones möglich wird, setzt einige Grundbedingungen voraus:

- die Telefonpreise müssen fallen
- Minibeamer müssen technisch noch besser und möglichst noch billiger werden (Zur Entwicklung der Mini-Beamer vgl. meinen Artikel “Wer kennt geeigneten Beamer?”)
- vor allem aber müssen sich die Mentalitäten ändern

In näherer Zukunft wird sich der Einsatz mobiler Geräte deshalb nach wie vor nur auf einige vereinzelte Lehrerinnen und Lehrer stützen können, die bereit sind, einen eigenen Minineamer zu kaufen.

Diese wenigen müssen bei ihrem Einsatz so gut wie möglich unterstützt werden, am besten mit digitalisierten Online- Materialien, aber vielleicht auch mit Informationsaustausch.

Die zweite Gruppe, die unterstützt werden muss, sind die Schüler, die neben dem Schulunterricht mit seinen Materialien her sich auch noch auf andere Quellen stützen und auf andere Weise lernen möchten, und da sehe ich schon eine gewisse Nachfrage.

5.
Warum ich auch nach Erreichen der Pensionsgrenze mit dem Geschichtszentrum weitermache, hängt unter anderem auch damit zusammen, dass ich diese beiden Zielgruppen unterstützen möchte.

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Ein Kommentar zu “Blog – Was ist 1:1 Computing?

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