DIGITALISIERUNG DER SCHULEN DURCH SODIX: DER NÄCHSTE SCHUSS DANEBEN

Weil die Coronakrise die Digitalisierung der Schulen jetzt in den Fokus gerückt hat, wird die Politik aktiv, und zwar wie immer hektisch. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek: „‚Die Länder haben nach unserer Zusage rasch ein länderübergreifendes Projekt zur Entwicklung und Inbetriebnahme eines gemeinsamen Sofortportals für frei zugängliche Bildungsmedien sowie zum weiteren Ausbau einer technischen Plattform der zukünftigen ländergemeinsamen Bildungsmedieninfrastruktur entwickelt.‘ Das heiße Sodix. Damit werde kurzfristig ein ländergemeinsames Medienportal auf- und ausgebaut, das sowohl von Lehrern als auch von Eltern und Schülern genutzt werden könne.“ (F.A.S. EXKLUSIV)

Also ein „Sofort(?)portal“ für kostenlose Bildungsmedien sowie eine weitere technische Plattform, diesmal länderübergreifend?

Erstens: Digitales Lernmaterial gibt es bereits zuhauf, teils auf den Computern der Lehrkräfte, teils in der Cloud, teils kostenlos, teils kostenpflichtig. Gutes Material wird meistens kostenpflichtig sein. Der Staat sollte die Verlage und den Bildungsmarkt nicht kaputt machen.

Zweitens: Technische Plattformen, gemeint sind wohl Lernplattformen, gibt es bereits. In Baden- Württemberg allerdings hat die Politik die Plattform „ella“ mit Millionenkosten in den Sand gesetzt und nimmt jetzt den zweiten Entwicklungsanlauf, mit ungewissem Ausgang. Was Baden- Württemberg jetzt aber braucht, ist eine Lernplattform mit kalkulierbaren Kosten, sofortiger Verfügbarkeit und professioneller Pflege von außen, die die Lehrer und Schulen entlastet. Das geht nur, wenn man eine bereits bestehende Bildungsplattform kauft, so wie das derzeit die Schweiz macht.

Drittens ist Bildungspolitik Ländersache, und das soll auch so bleiben, damit die Bildung in Deutschland niemals flächendeckend unter einer rotrotgrünen Politik vollkommen abstürzen kann, wie etwa in Berlin.

Anja Karliczek weiter: „Wir bieten so kurzfristige Unterstützung, die gleichzeitig genau das schafft, was über den Digitalpakt initiiert wird: ein innovatives und zukunftsgerichtetes Lehr- und Lernkonzept.“ (F.A.S. EXKLUSIV)

Auch wenn die Bankkauffrau, Hotelfachfrau sowie Diplom-Kauffrau Karliczek es immer noch nicht kapiert: Genau das initiiert der Digitalpakt eben nicht. Dieser stellt – viel zu selten abgerufenes – Geld für die Anschaffung von technischer Infrastruktur zur Verfügung, aber eben kein Lehr- und Lernkonzept. Das ist aber das zentrale Problem, dass die Schulbürokratien kein Konzept besitzen. Dieses zu entwickeln und die Arbeit mit einer Bildungsplattform als verpflichtendes Thema in der zentralen Lehrerfortbildung anzubieten, ist die seit Jahren versäumte zentrale Aufgabe bei der Digitalisierung der Schulen, die man nicht unter dem Deckmantel von Demokratie und Partizipation den einzelnen Schulen aufhalsen kann. Die Bereitstellung der technischen Infrastruktur allein hilft nicht weiter, so grundlegend sie auch ist.

„Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann, der Vorsitzende des Bildungsausschusses, sagte der F.A.S.: ‚Es hat sich bei Corona gezeigt, dass längst nicht alle Schüler zu Hause so ausgerüstet sind, dass es mit dem Homeschooling klappt.‘ Oft scheitere es am Drucker oder am Handy, nicht jedes Kind sei digital erreichbar. Auch die Lehrer brächten unterschiedliche Voraussetzungen mit.“ (F.A.S. EXKLUSIV)

Keine Geräte zuhause: Für solche Notfälle müssen Schulen Geräte anschaffen, aber aus Kostengründen und wegen des Eigeninteresses der Schüler am Funktionieren und der Pflege der Geräte muss BYOD (Bring dein eigenes Gerät mit, Bring Your Own Device) gelten. Der Staat könnte hier noch eine kleine Betriebskostenpauschale und analog zur Fahrradversicherung vielleicht eine kleine Versicherung abschließen, die einen Anteil der Betriebskosten abdeckt, und das muss es dann aber auch sein. Die Schriftgröße bei digitalem Unterrichtsmaterial ist normalerweise einstellbar, so dass die Schrift auf kleinen Displays größer sein kann als im gedruckten Schulbuch. Wenn das Unterrichtsmaterial Text in Spalten statt in ganzer Seitenbreite anbietet, gibt es kein Problem.

Mehr zur digitalen Pädagogik findet man zum Beispiel hier:

http://geschichtszentrum.de/?p=15504

Noch mehr hier:

http://geschichtszentrum.de/?cat=29

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/karliczek-kurzfristige-unterstuetzung-fuer-online-unterricht-16741737.html

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