CORONA UND DIE GRENZEN DES DIGITALEN UNTERRICHTS

Ein digitalaffiner Mathematiklehrer in Uelsen (Niedersachsen) hat bereits über 1.800 Videos für seinen Unterricht ins Netz gestellt. Es gibt sie, die digitalen Unterrichtspioniere, und eine der ersten Aufgaben der Bildungspolitik müsste eigentlich sein, diese massiv zu unterstützen und aus ihren Erfahrungen zu lernen.

Dennoch ist niemand unfehlbar, und eine Diskussion ist immer nötig. Eine der zentralen Fragen des digitalen Unterrichts ist die Auswertung, Kontrolle und Sicherung der Schülerergebnisse. WELT stellt hier die entscheidende Frage:

„WELT: Wie überprüfen Sie, ob Ihre Schüler den Stoff verstanden haben?“

Und erhält eine typisch reformpädagogische Antwort:

„Schmidt: Wir arbeiten mit Büchern, in denen die Lösungen stehen – weshalb die Schüler das selbst überprüfen können.“

Können sie. Ob sie dies allerdings korrekt können, wage ich nach meinen eigenen Unterrichtserfahrungen zu bezweifeln. In Mathematik mag es einfacher sein als in Geschichte oder Mathematik, aber selbst wenn der Schüler die Abweichungen von oder Übereinstimmung seiner Lösung mit der vorgegebenen Lösung erkennt, so ist doch wichtig, sich darüber zu unterhalten, warum und in welcher Weise Fehler gemacht wurden oder gute Lösungen zustande kamen. Man nennt das die Auswertungsphase im Unterricht, und sie ist die wichtigste Unterrichtsphase überhaupt, in der man den Schüler nicht allein lassen darf. Hier lernt er am meisten und hier sollte eine richtige Lösung erarbeitet bzw. als solche sozusagen amtlich verbindlich gemacht werden. Dass die Reformpädagogik hier meist versagt, erklärt die sinkenden Schülerleistungen zu einem nicht unerheblichen Teil.

SOLLTE DAS DIGITALE UNTERRICHTSERGÄNZEND SEIN?

Lehrer Schmidt hat hier eine klare Meinung:

„Für mich ist das Digitale unterrichtsergänzend. [...] Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Kombination aus beidem, also Unterricht und Video, zu guten Noten führt. Deshalb würde ich sagen: Ergänzend ja, ersetzend nein.“

Das sehe ich anders. Das Digitale muss dominant, das Analoge ergänzend sein, sonst begibt man sich grundlos der Vorteile des Digitalen, als da sind:

  • universale Verfügbarkeit
  • Veränderbarkeit (schnelle Beseitigung von Fehlern, Korrektur von Arbeitsergebnissen, Anpassung von Material an neue Erfordernisse)
  • Verlinkung schafft schnellen und einfachen Zugriff auf weitere Materialien aller Art, auch Audios und Videos, außerdem auf einen riesigen Pool an Bildern und Texten, usw.
  • Kooperation, z.B. ortsungebundene gemeinsame Arbeit an einer Datei im Rahmen einer Gruppenarbeit ist möglich

Ich bin mit Lehrer Schmidt aber derselben Meinung, dass Präsenzunterricht im Klassenzimmer Standard sein muss. Allerdings geht das in Zeiten des Coronavirus nicht, und da muss der analoge Unterricht endgültig passen. Digital ist es aber auf relativ einfache Weise möglich, dazu unten mehr.

DIGITALER UNTERRICHT VERBESSERT DIE AUSWERTUNGSPHASE

Das wird im Vergleich zum herkömmlichen digitalen Unterricht anhand des unten abgebildeten Schemas deutlich. Die Vorteile des Digitalen sind:

  • Der Lehrer kennt die Arbeitsergebnisse der Schüler schon vor Beginn der Unterrichtsstunde und kann daher die Schülerergebnisse gemäß den sachlichen Erfordernissen und den Bedürfnissen der Klasse optimal auswählen
  • Er überlegt, welche Korrekturen angebracht werden müssen, um ein optimales Unterrichtsergebnis zu erreichen
  • Im Unterrichtsgespräch während des Präsenzunterrichts werden diese als stichwortartige Kommentare in den mit Beamer oder anderem Projektionsgerät eingeblendeten digitalen Text eingefügt (Ergebnissicherung). Deshalb ist das Projektionsgerät als Teil der Standardausrüstung so wichtig!
  • Nebenher werden auch gleich noch Rechtschreibung und Zeichensetzung korrigiert
  • Der Schüler wird zweikanalig über Auge und Ohr erreicht
  • Der / die Schüler formulieren das zu Hause aus und laden das Ergebnis hoch. Der Lehrer korrigiert nach und stellt das Arbeitsergebnis allen Schülern als „amtliches“ Ergebnis zur Verfügung

Vergleichen Sie dazu den analogen Unterricht:

  • Der Lehrer kennt die Arbeitsergebnisse nicht im voraus, kann also nicht die optimale Auswahl treffen und muss im Unterricht bei der Hausaufgabenbesprechung improvisieren
  • Eine Verbesserung der Arbeitsergebnisse in inhaltlicher und formaler Hinsicht findet nicht statt
  • Alles läuft über das Gehör
  • Audios und Videos können übrigens nur schwer ausgewertet werden, wenn sie nicht digital vorliegen und mit entsprechenden Apps punktgenau angesprungen werden können

WIE FUNKTIONIEREN UNTERRICHTSGESPRÄCH UND AUSWETUNGSPHASE IM RAHMEN VON DISTANCE LEARNING, ALSO NICHT IM PRÄSENZUNTERRICHT?

Dafür gibt es Software, die es erlaubt, digitale Dateien einzublenden und für alle sichtbar zu bearbeiten. Außerdem können Videos und Audios gezeigt werden und es gibt die Möglichkeit, auf einem sogenannten Whiteboard zu zeichen, zu schreiben, usw. Auch der eigene Bildschirm und was darauf geschieht, kann für alle sichtbar eingeblendet werden. Das Beste ist, dass die Teilnehmer der Sitzung über Audio miteinander kommunizieren können.

Zoom z.B. bietet kostenlose Sitzungen mit bis zu 100 Teilnehmern an. Das Programm ist intuitiv zu bedienen und gehört zu den großen Anbietern. Allerdings, wie immer mit Computerprogrammen, kann auch mal dies oder jenes nicht oder nicht gleich oder nur unter bestimmten Voraussetzungen funktionieren, deshalb wäre eine Erprobungsphase wie immer angebracht. Apps für Tablets und Smartphones sind vorhanden.

Sieben bewährte Webinarsoftwares im Vergleich

https://blog.elopage.com/webinar-software-im-vergleich/

Zoom

https://www.zoom.us

Digitale Pädagogik

http://geschichtszentrum.de/?cat=29

Artikel zum Mathematiklehrer Schmidt

https://www.welt.de/politik/deutschland/article206734951/Schule-Das-Digitale-kann-Praesenzunterricht-auf-keinen-Fall-ersetzen.html

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