CORONAKRISE BRINGT INS ÖFFENTLICHE BEWUSSTSEIN, WAS DIE WENIGEN DIGITAL INTERESSIERTEN LEHRKRÄFTE SCHON LÄNGST WUSSTEN

Nämlich:

1. Die Unterrichtsplattform Moodle ist „ein ‚Krückstock’, komplex und schwer zu bedienen“, sagt Direktor Matthias Wagner-Uhl, Sprecher des Verbandes der Gesamtschulen völlig zurecht. Es handelt sich um ein extrem unintuitives Teil, aber es wurde damals vom Ministerium gepusht, weil es kostenlos war. Die Folge: Moodle wurde wenig genutzt, auch weil es Installationsarbeiten erforderlich machte. Das Desinteresse des größten Teils der Lehrerschaft an digitalem Unterricht tat ein übriges. Jetzt ist Moodle unter dem erzwungenen Ansturm während der Coronakrise zusammengekracht, weil die wenigen Server, die bisher mangels Nachfrage völlig genügten, jetzt dem Ansturm nicht standhalten konnten.
2. Dem Ministerium fehle seit Jahren eine vorausschauende Digitalstrategie, sagt Matthias Wagner-Uhl weiter, und auch damit liegt er völlig richtig. Außerdem fehlt es oben massiv an Kompetenz, wie das Scheitern der Lernplattform ella zeigt. Die soll nun 2023 zur Verfügung stehen, aber wer‘s glaubt, wird selig. Eine vorhandene, allen wesentlichen Ansprüchen genügende und extern verwaltete Plattform zu kaufen, lehnen die laienhaften Entscheider ab, die sowieso keinen Plan von digitalem Unterricht haben und auch dei der Implementierung lediglich ideologischen Vorgaben folgen.
3. Wenn jetzt plötzlich alle die Arbeit mit Lernplattformen so toll und fortschrittlich finden, übersehen sie dabei, dass die Lernplattform lediglich als Dateiablage für Unterrichtsmaterial und zugehörige Aufgaben genutzt wird, also für das, was man unter normalen Umständen auch per E-Mail hätte zuschicken können, was aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich ist. In Bezug auf Einschränkungen ist man in Sachen Digitalisierung nämlich ganz vorne mit dabei.
4. Was in der Coronakrise fehlt, ist ein wirklicher digitaler Unterricht, also eine online stattfindende digitale Auswertung der von den Schülern eingeschickten Lösungen. Ihnen nach einiger Zeit ein paar Fertiglösungen zuzuschicken, reicht da nämlich nicht. Die Fehlerbesprechung und die Problematisierung gehen verloren, und erfahrungsgemäß schaffen es die Schüler häufig nicht einmal, einen sauberen Abgleich zwischen dem Lösungsblatt und der eigenen Lösung zu schaffen.
5. Selbst wenn eine gute Unterrichtsplattform konsequent genutzt würde, könnte sie keinen digitalen Unterricht auf Distanz gewährleisten, denn Unterrichtsplattformen sind auf den Präsenzunterricht im Klassenzimmer zugeschnitten. Es würde also einer Software für Distance Learning bedürfen, um den in der Krise notwendigen Unterricht zu halten. Diese gibt es, sogar kostenlos, zum Beispiel „Zoom“, aber man darf getrost davon ausgehen, dass irgendwelche rechtlichen Hindernisse deren Nutzung selbst dann unmöglich machen würde, wenn der Wille dazu vorhanden wäre. Dasselbe gilt für die Benutzung von facebook oder Whatsapp als Notbehelf.
6. Ändern wird sich an der Misere so schnell nichts. Deutschland bleibt digitales Entwicklungsland, solange die Bedenkenträger wie schon seit einem Vierteljahrhundert am Drücker sind. Aber dann ist es eben so. Dem Land ist leider nicht zu helfen.

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