Baden-Württemberg: Das Geld aus dem Digitalpakt fließt, aber die Bedingungen stimmen nicht

Die Schwäbische Zeitung berichtet: „Keine Schule soll zu kurz kommen. [...] Um überhaupt Geld beantragen zu können, gibt es zwei Bedingungen. Erstens: Jede Schule braucht ein pädagogisches Konzept zum Einsatz digitaler Technik. Die Medienzentren des Landes und der Kreise helfen den Schulen beim Erstellen dieser sogenannten Medienentwicklungspläne. Zweitens: Die Schulen müssen ans schnelle Internet angeschlossen sein. Dies ist längst nicht überall der Fall, gerade auf dem Land. Wie viele Schulen betroffen sind, wissen weder Kultusministerium noch die kommunalen Landesverbände.“
kk
Zu Bedingung 1: Die Schulen sind meist außerstande, Medienentwicklungspläne aufzustellen, weil viel zu oft die Kompetenz dazu fehlt. Deshalb ist der ganze Ansatz von unten her in diesem Falle verfehlt. Nötig ist, dass das Land selbst eine klare Vorstellung davon hat, wie digitale Technik an den Schulen im Unterricht eingesetzt wird, statt die Beantwortung dieser Grundfrage auf die Schulen abzuwälzen. Im Zentrum der digitalen Arbeit an der Schule muss eine Lernplattform stehen, die von einer Firma statt von den Schulen technisch betreut wird und in deren pädagogische Nutzung auf dem Weg von Fortbildungen, nach einiger Zeit sogar Pflichtfortbildungen eingewiesen wird. In den Schulen muss das Projekt BYOD (Bring Your Own Device, also bring dein eigenes Gerät, nämlich dein Smartphone oder Tablet) mit.
Leider hat das Land sein Lernplattform- Projekt ella in den Sand gesetzt. Statt eine vorhandene Plattform zu kaufen, die jetzt schon einsatzfähig und von den Kosten her kalkulierbar ist, verplempert man weitere Jahre, um eine eigene Plattform im zweiten Anlauf zusammenzubasteln.
kk
Zu Bedingung 2: Das Land hat viele Jahre lang versäumt, flächendeckend schnelles Internet einzuführen. Deshalb ist es ungerecht, aber auch unsinnig, schnelles Internet als Bewerbungsvoraussetzung für Gelder aus dem Digitalpakt einzuführen. Das schnelle Internet muss stattdessen flächendeckend auf dem schnellsten Weg auf Landeskosten eingeführt werden. Die Gelder aus dem Digitalpakt müssen für den Ankauf von Projektionsgeräten genützt werden, denn neben dem schnellen Internet ist die Anschaffung von Projektionsgeräten in jedem Klassenzimmer Grundvoraussetzung für digitalisierten Unterricht. Außerdem muss aus Geldern des Digitalpakts eine kleine Reserve von Tablets für bedürftige Schüler angeschafft werden.
kk
Bis die Geräte beantragt, angeschafft und die Projektionsgeräte vor Ort moniert sind, vergehen ohnehin sicherlich mehrere Jahre. Bis dahin muss dann auch das schnelle Internet installiert sein, eine funktionierende Lernplattform muss stehen und die Fortbildungsprogramm für Fachseminare und Schulleiter müssen schon durchgeführt sein. Die Fachseminare müssen bis zu diesem Zeitpunkt schon auf eigenen digitalen Unterricht umgestellt sein. Auf die zu kaufende Plattform können sie schon aufgeschaltet sein, bevor der flächendeckende Betrieb im Land möglich ist.
kk

 

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