Kultusministerin Eisenmann will Bestandsgarantie für Haupt- und Werkrealschulen

Es geht hier vor allem darum, was zum Niedergang der Haupt- und Werkrealschulen geführt hat, und was getan werden müsste, um die dahinter stehenden Probleme zu lösen und Baden-Württembergs Schulen aus der Tendenz zum Niedergang herauszuführen.

Nach den Vorgaben der regionalen Schulentwicklung in Baden- Württemberg muss eine Schule schließen, wenn sie zwei Jahre lang weniger als 16 Anmeldungen für die fünfte Klasse hat.

„Viele Haupt- und Werkrealschulen haben ihren Standort dadurch gerettet, dass sie sich zu Gemeinschaftsschulen gewandelt haben – von den gut 300 Gemeinschaftsschulen waren 90 Prozent zuvor reine Haupt- und Werkrealschulen. Von den ehemals mehr als 1200 Haupt- und Werkrealschulen im Land sind inzwischen noch 458 übrig. Gut die Hälfte davon wird laut Kultusministerium aber in den kommenden Jahren schließen. Sie laufen aus, weil sie in der Vergangenheit nicht genügend Anmeldungen verzeichneten.“ (SchwäZ)

Vor diesem Hintergrund will Kultusministerin Eisenmann (CDU) nun eine Bestandsgarantie für Haupt- und Werkrealschulen durch Änderung der Regeln.

Nicht mehr die Anmeldezahlen in den fünften Klassen sollen ausschlaggebend sein, sondern die durchschnittliche Schülerzahl der Klassen 5 bis 9.

Warum? „Zum Schuljahr 2013/2014 starteten 12 000 Schüler in der fünften Klasse der Schulart. Bis zur Klasse 9 im Schuljahr 2017/2018 stieg die Schülerzahl auf knapp 17 500 – ein Zuwachs um knapp 46 Prozent“ (SchwäZ), laut Eisenmann hauptsächlich wegen Wechslern.

Hintergrund ist, dass der Elternwille entscheidet, welche Schule das Kind besucht, und da wird häufig zu hoch gegriffen, weshalb viele Schüler nach oft jahrelangen Misserfolgserlebnissen in eine Schulart mit niedrigeren Leistungsanforderungen wechseln müssen. Das ist ein Hauptgrund, warum ich dagegen bin, dass der Elternwille entscheidet. Es geschieht viel zu oft auf dem Rücken der Kinder.

Früher brachten die Hauptschulen viele Absolventen hervor, die dann Handwerksberufe ergriffen. Heute sind Handwerker dringend benötigt, aber es fehlt der qualifizierte Nachwuchs. Hier müssen Haupt- und Werkrealschulen wieder befähigt werden, diese Lücke zu schließen.

Klar ist, dass die Grünen nun gegen Eisenmann anstänkern, ist doch der größte Teil ihres murksigen Lieblingsprojekts Gemeinschaftsschule aus ehemaligen Haupt- und Werkrealschulen hervorgegangen und wächst von dieser Seite her noch weiter.

Die Frage ist aber, weshalb die Haupt- und Werkrealschule so wenig Zulauf bekommt, dass viele Eltern ihre Kinder dort absolut nicht hinschicken wollen?

Das hängt mit ihrem Ruf als Loserschule bzw. Restschule zusammen, mit ihrer von vielen bezweifelten schulischen Qualität. Tatsächlich gelang es über lange Jahre nicht, den Niedergang dieser einst gut angesehenen und als Standard betrachteten Schulart aufzuhalten. Das hing mit gesellschaftlichen Veränderungen in der Schüler- und Elternschaft zusammen, die zunehmend darauf hinauslief, dass viele Schülerinnen und Schüler gar nicht die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn mitbrachten, weil sie teils gar nicht beschulbar waren. Mit diesem Problem wurde diese Schulart allein gelassen, und als sich dann die Gelegenheit bot, in die Gemeinschaftsschule zu flüchten, wurde diese auch massenhaft ergriffen. Man hat die Probleme dann einfach in die neue Schulart verlagert, aber weniger sichtbar.

Der Niedergang des baden-württembergischen Schulsystems ist darauf zurückzuführen, dass man bestehende Probleme in den Regelschulen übertüncht hat und mit der Gemeinschaftsschule auch noch einen völlig verfehlten pädagogischen und organisatorischen Ansatz gewählt hat, der den Niedergang der Leistung, unter dem alle Schularten mehr oder weniger leiden, massiv beschleunigt hat.

Man hat sich aber vor allem nicht getraut, dem eigentlichen Problem adäquat zu begegnen, nämlich der veränderten Schüler- und Elternschaft und der wachsenden Zahl nicht beschulbarer Schüler. Ein Problem, das durch Massenmigration und Verfall der schulischen Autoritäten verstärkt wurde.

Heute steht die Bildungspolitik vor der Herausforderung, das Funktionieren der Regelschulen wieder zu gewährleisten. Die offizielle Bildungspolitik will dies vor allem durch Gemeinschaftsschule, verstärkte Individualisierung des Unterrichts und Kitas.

Aber Hauptvoraussetzung für das Funktionieren der Regelschulen ist, dass nur beschulbare Kinder in die Regelschule kommen. Das bedeutet aus meiner Sicht, ein System von Vorkursen bzw. Vorklassen oder Vorschulen einzurichten, in dem diese Problemkinder und -jugendlichen befähigt werden, sich über längere Zeit zu konzentrieren, den Anweisungen ihrer Lehrer zu folgen, längere Zeit sitzen zu bleiben, pünktlich zu sein, die Schule regelmäßig zu besuchen, Regeln einzuhalten, respektvollen Umgang miteinander zu pflegen, sich zu engagieren, insgesamt ein angemessenes Sozialverhalten an den Tag zu legen, die Sprache auf dem erforderlichen Niveau zu beherrschen, die notwendigen feinmotorischen Fähigkeiten zu erwerben. Wer in einem dieser Bereiche massive Defizite hat, sollte Regelschulen im eigenen Interesse und in dem aller anderen nicht besuchen dürfen.

Dafür müssen diese Schulen und ihre Lehrkräfte mit Befugnissen ausgestattet werden, die es ihnen erlauben, ihren Auftrag zu erfüllen. Zugleich muss es möglich sein, Eltern zur Erfüllung ihrer Pflichten zu veranlassen.

Tatsache ist, dass wir nie mehr aus dem Abwärtssog herauskommen, wenn wir die Regelschulen nicht vor einer untragbaren Klientel schützen. Aber da müssen dicke Bretter gebohrt werden.

https://www.schwaebische.de/sueden/baden-wuerttemberg_artikel,-warum-sich-cdu-und-grüne-über-die-zukunft-der-haupt-und-werkrealschulen-streiten-_arid,11071633.html

 

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