Wie digitales Unterrichten den Unterrichtsverlauf verändert

Es gibt Lehrkräfte, die im Prinzip gerne digital im Unterricht arbeiten würden, aber nicht wissen, wie. Wie im klassischen analogen Unterricht gibt es aber auch im digitalen Unterricht wiederkehrende Grundstrukturen, die die Unterrichtsplanung erleichtern.

Die klassische analoge Geschichtsstunde

… hat folgenden Verlauf:

  1. Einstieg. Erarbeitung der Fragestellung
  2. Arbeitsauftrag
  3. Auswertung an der Tafel
  4. Wenn möglich: Problematisierung
Beim PC läuft das nicht, auch mit Tablets ist es kleinschrittig und unpraktisch.
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Vorbild Lernzirkel
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Beim Computer läuft es daher normalerweise so wie bei einer Lerntheke bzw. einem Lernzirkel. Statt an verschiedenen Lerninseln bzw. Lernstationen liegen die Aufgaben und Materialien in verschiedenen Ordnern.
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Lernzirkel Weimarer Republik Grafik
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Mit den Materialien und an der Lösung der Aufgaben arbeiten die Schüler einzeln oder in Gruppen selbstständig. Wer mit einer Lerninsel/ einem Ordner fertig ist, geht zum nächsten. Sie als Lehrkraft können die Materialien alle gleichzeitig oder nur teilweise freischalten. Sie können hinter jeder einzelnen Teileinheit (Lerninsel, Ordner), hinter jeder zweiten oder wann auch immer eine Besprechungsphase einlegen. Sie können einzeln oder in Gruppen, arbeitsteilig oder nicht arbeitsteilig arbeiten lassen. Sie können projektartiges Arbeiten zum Standard werden lassen.
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Die Arbeitsergebnisse werden in eine Dateiablage gelegt, liegen also digitalisiert vor und können anschließend bearbeitet, also etwa zu einem Musterergebnis weiterverarbeitet werden.
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Mein Standardablauf
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… war in der Doppelstunde immer der:
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  1. Besprechung von Arbeitsergebnisse bis zu einer Stunde Dauer maximal, besser kürzer. Dabei Ergebniskorrektur und Musterdatei.
  2. Danach arbeitsgleiche Arbeitsgruppen. Arbeitsgleich, weil man sich selbst Erarbeitetes besser merkt und weil bei Problemaufgaben diskutiert werden muss. Wenn andere ihre Arbeitsergebnisse bloß vorstellen, bleibt nicht so viel hängen. Gruppenarbeit aus sozialen Gründen und weil die Schüler dauerhaft feste Lerngruppen bilden wollten.
Wenn Arbeitsgruppen gerade nicht so gut drauf waren oder mal zu viel nebenher plapperten, verlängerten sich die Hausaufgaben, was aber keine Strafe war, sondern Resultat der Festlegung der eigenen individuellen Lerngeschwindigkeit.
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Klar, dass am Anfang der Unterrichtseinheit eine klassische Einführung in das Thema erfolgte und am Schluss der inhaltliche Gesamtabschluss mit Beantwortung der übergreifenden Frage sowie Feedback.
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Klar auch, dass man mehr Richtung Projekt gehen und kreativere und handgefertigte Ergebnisse anfertigen lassen konnte. Klar auch, dass man die Schüler stärker in das Aufwerfen von Fragestellungen einbinden konnte.
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Doch Fakt ist, dass die Zeit begrenzt und deshalb das Projekt die Ausnahme, die „Lerntheke“ Standard war. Im Unterschied zum analogen Stundenverlauf aber war der Eigenanteil des Schülers höher, der Lehrer trat während des Unterrichts weniger in Erscheinung und der Unterricht verlief stressfrei.
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Der erhöhten Eigenaktivität des Schülers entspricht eine auf Selbstarbeit angelegte Arbeitsumgebung. An den Wänden hingen bei mir Karten und anderes Unterrichtsmaterial, ich hatte eigene Zimmer, digital gab es die jetzt noch existierende Seite „Nachschlagen“, deren Kern ein mit den Arbeitsmitteln verlinktes Glossar („Begriffe“) war.

All das gehört meiner Meinung nach zum Kern einer verpflichtenden Fortbildung zum Thema “Digital Unterrichten und Arbeit mit einer Lernplattform” und sollte eine der tragenden Säulen einer vernünftigen Digitalisierungsstrategie sein.

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