PÄDAGOGIK: DIGITALE MEDIEN DEM BESTEHENDEN UNTERRICHT EINFACH HINZUFÜGEN?

Eine Standardargumentation zum pädagogischen Umgang mit Computern läuft so:

„Zugegeben: Moderne Smartboards haben bestimmt clevere Funktionen. Dennoch ist die Frage, ob Unterricht nun mit einer Kreidetafel, einem Overheadprojektor oder einem Smartboard unterstützt wird, für mich eine der am wenigsten spannenden, wenn ich an die Digitalisierung denke. Dahinter steckt eine Denke, die davon ausgeht, dass die digitalen Medien dem bestehenden Unterricht einfach hinzugefügt werden, dieser sich jedoch sonst nicht großartig zu verändern braucht. Laut dem Medienwissenschaftler Neil Postman verläuft technologischer Wandel aber in der Regel nicht additiv, sondern transformativ. Ein neues Medium fügt dem Alten nicht einfach nur etwas Neues hinzu – es verändert auch das Bestehende.“

https://deutsches-schulportal.de/stimmen/digitale-kompetenz-ein-smartboard-macht-noch-keinen-sommer/

Schön. Keiner kann die digitalen Medien dem bestehenden Unterricht nur hinzufügen. Digitale Medien verändern den Unterricht selbstverständlich. Aber wie genau? Das eben ist der Streitpunkt, oder er sollte es wenigstens sein.

Ich behaupte aus Erfahrung, dass die Veränderung in Folgendem besteht und auch bestehen muss:

  • Lernsets mit mehr Eigenaktivität des Schülers dank moderner Technik
  • Mehr Zeitautonomie des Schülers. Dieser hat mehr Freiheit, über seine Lernaktivität zeitlich zu bestimmen. D.h., der Schüler entscheidet in höherem Maße über sein Lerntempo innerhalb bestimmter Lernschritte.
  • Längeres selbstständiges Arbeiten am Stück, aber auch längere Auswertungsphasen im Plenum
  • Tendenz zur Bildung fester Lerngruppen
  • Vielseitigeres, überall verfügbares, bearbeitbares Unterrichtsmaterial per Mausklick
  • Tendenz zu Musterlösungen
  • Mehr Kommunikation, mehr Kollaboration, mehr Technik
  • Lehrerarbeit wird nicht weniger, sondern verlagert sich stärker auf die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts.
  • Mehr Möglichkeiten zur Einbeziehung von Eltern
Ich behaupte, dass die Veränderung in Folgendem NICHT bestehen darf:
kkk
  • in einer Totalpersonalisierung des Unterrichts im Hinblick auf Lernziele und Lernstoff
  • in einer Beschränkung der Lehrerrolle auf diejenige eines Lernbegleiters
  • in einer Aufwertung der Schülerrolle auf die eines völlig autonomen Lerners, also eines Autodidakten
Die Rolle des Lehrers als (zurückgenommener) Lenker des Lernprozesses darf nicht angetastet werden. Der Schüler ist nicht Autodidakt. (Digitale) Schulbücher bzw. auf Schülerniveau eingestellte Lernmaterialien bleiben notwendig. Man darf das Kind nicht mit dem Bad ausschütten.
kkk
Leider ist das in der digitalen Pädagogik Standard. Diese wurde von den digitalen Euphorikern und mit Unterstützung der Industrie geschaffen und hält heute in den Schulen gegen berechtigten Widerstand Einzug. Es werden aus dem Einsatz digitaler Medien die falschen Schlüsse gezogen.

Ein Kommentar zu “PÄDAGOGIK: DIGITALE MEDIEN DEM BESTEHENDEN UNTERRICHT EINFACH HINZUFÜGEN?

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