DIE LERNPLATTFORM EDMODO: AUCH FÜR EINZELKÄMPFER GEEIGNET

Hätte „Ella“ in Baden- Württemberg funktioniert, wäre es für Lehrer in diesem Bundesland am besten gewesen, mit dieser Plattform zu arbeiten, obwohl man die Notwendigkeit der x-ten Selbstentwicklung einer Lernplattform durch ein weiteres Bundesland wirklich sehr stark anzweifeln kann. Wie auch immer: Auf absehbare Zeit tut sich bei Ella vermutlich nichts. Es bleiben mehrere Alternativen:

Entweder man arbeitet mit dem hochkomplizierten, komplexen , wenig ansprechenden und wenig intuitiven Teil namens Moodle, was voraussetzt, dass diese Plattform installiert ist. Das ist der bisherige, vom Land gepushte, mäßig erfolgreiche Weg in Baden-Württemberg, mit hohen Hürden für Anfänger, auch für Fortgeschrittene. Ohne Einführungskurs geht da wenig.

Oder man nimmt lo-net2 von Cornelsen, wenn man die ganze Schule abbilden möchte, was voraussetzt, dass die Schule mitzieht. Diese ist optisch gut aufbereitet, auch für Anfänger beherrschbar, und sie bietet eine ausreichende Palette von Funktionen, mit denen man durch die allermeisten Situationen des Schulalltags durchkommt. Das Problem ist, dass die Schulen normalerweise nicht mitziehen. Früher gab es lo-kompakt als Einstieg für den individuellen Lehrer, doch wurde lo-kompakt leider wieder aufgegeben.

Oder man arbeitet mit einer kommerziellen, aber kostenlosen Lernplattform wie Scook. Klar ist aber die sehr enge Verknüpfung kommerzieller Unterrichtsmaterialien mit einer Lernplattform, was viel weniger direkt auch bei Cornelsens lo-net2 der Fall ist. Scook schreibt selbst: “Das digitale Schulbuch steht auf scook im Mittelpunkt.” Und zwar das von Cornelsen. Das muss man wollen.

Oder man entscheidet sich für Google Classroom. Der Funktionsumfang ist im Vergleich zu den anderen Plattformen relativ gering. Die Server stehen in Amerika. Google Classroom ist eng mit den übrigen Google Apps verbunden. Ich werde die Plattform demnächst ebenfalls näher besprechen.

Oder man arbeitet mit Edmodo, wenn man sich gegen eine kommerzielle Plattform entscheidet. Diese Plattform bietet sich an, wenn die Schulen nicht mitziehen, individuelle Lehrer als Pioniere aber nicht warten wollen, bis Baden- Württemberg es schafft, eine neue Lernplattform zu entwickeln und die eigene Schule sich endlich auf den Weg machen will. Auch hier stehen die Server allerdings in Amerika.

Edmodo läuft plattformübergreifend über den Browser, benötigt keine Installation und Wartung durch den User und bietet wesentliche Grundfunktionen in einem von außen nicht einsehbaren Rahmen:

  • Der Lehrer legt die Klasse und Gruppen sowie Untergruppen an, je nach Bedarf. So kann etwa für jede Unterrichtseinheit eine besondere Gruppe angelegt und archiviert werden.
  • Lehrer und Schüler können untereinander kommunizieren, über Messages, über einen internen Stream, aber bei Bedarf auch über E-Mail und SMS.
  • Lehrer haben die Möglichkeit, in der sogenannten „Bibliothek“ private Ordner mit eigenen Ressourcen anzulegen, die jederzeit aber für Klassen oder Gruppen freigegeben werden können. Es handelt sich also um eine Dateiablage. Die freigegebenen Ordner erscheinen bei den Schülern im sogenannten „Backpack“ oder Rucksack, wo auch die Schüler Material ablegen können.
  • Der Lehrer kann Aufgaben stellen, die im Klassen- oder Gruppenstream erscheinen und mit Abgabedatum versehen werden müssen. Diese können auch Links auf externes Material enthalten oder auf internes Material verweisen. Der Schüler findet die Aufgaben auch im Pflichtbereich „What’s Due“, wo er sie abarbeiten kann. Hierfür kann er eine integrierte Textdatei verwenden, die auch Dateianhänge erlaubt. Oder er verwendet die integrierten Programme Word, Excel und PowerPoint.
  • Ist der Schüler mit der Aufgabe fertig, verweist er sein Arbeitsergebnis im „What’s Due“- Bereich an den Lehrer, der dem Schüler individuelle Rückmeldungen geben kann und den Überblick über den Lernfortschritt des Schülers behält. Auch der Schüler behält über „Progress“ seinen Lernfortschritt im Auge. Das funktioniert ganz ähnlich wie der Lernplan bei lo-net2 und erlaubt viel individuelle Förderung.
  • Forum, Blog und Wiki fehlen bei Edmodo leider, im Unterschied zu lo-net2, können aber zur Not extern und außerhalb der Plattform ergänzt werden. Diskussionen können innerhalb der Plattform auch im Stream oder über „Messages“ geführt werden, sind aber im Unterschied zum Forum dann nicht strukturiert sichtbar und können unter Umständen nur per hashtag und Suchfunktion wieder aufgefunden werden.
  • Über den Kalender lassen sich auch Ereignisse organisieren.
  • Schon bei der Anmeldung der Schüler erhalten dessen Eltern einen Account, die diesen erlauben, die Arbeit ihres Sprößlings online nachzuvollziehen. Das bietet meines Wissens keine andere Lernplattform und erlaubt gänzlich neue Möglichkeiten der Elternarbeit. Schüler, Lehrer und Eltern werden als Gemeinschaft verstanden.
  • Die Rechteverteilung geschieht über die Voranmeldung als Lehrer, Schüler oder Eltern und lässt sich dann sehr einfach im Detail regeln.
  • Bei Edmodo sind auch die Clouds von Google und Microsoft integriert. Wenn man will, kann man also auch damit arbeiten. Auch die Anmeldung kann man darüber durchführen.
  • Es gibt Apps für ipad, iphone und Android.
  • Nachteil von Edmodo: Die Schüleransicht ist komplett in englischer Sprache. Auch die ganzen einführenden Videos und der Hilfebereich sind nur englisch erhältlich, sind aber inhaltlich sehr gut.

Unterm Strich bietet also auch Edmodo trotz gewisser Einschränkungen zentrale Vorteile gegenüber der Arbeit ohne Lernplattform:

  • Dokumentation des gesamten Lernprozesses vom Unterrichtsmaterial über die Aufgabenstellungen bis zu den Lösungen. Alles wird nachvollziehbar, auch und gerade der Lernfortschritt
  • Individuelle Förderung des Schülers in systematischer und nachvollziehbarer Form
  • Möglichkeiten des individuellen Feedbacks ebenso wie generelle Möglichkeiten moderner, schneller und bequemer Kommunikation
  • Einbeziehung der Eltern in die Lerngemeinschaft

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