Kolumne – Humanismus heute oder lausige Zeiten

Kolumne am Donnerstag

Humanismus ist toll, aber so viel Naturwissenschaft, Technik, Wissen und Wohlstand wie heute war nie. Antikes Vorbild ade. Der Glaube an die veredelnde Kraft der Bildung, an das Wahre, Gute, Schöne ist selbst schön, aber da waren Verdun und Auschwitz. Bildung ist klasse, aber in der egalitären Massendemokratie vielleicht doch etwas einflusslos? Der freie, selbstständige, an seiner Vervollkommnung arbeitende Mensch ist prima, jedoch Marx und die Sozialisten wissen: Der Mensch ist das Produkt der Gesellschaft. Darwin und die Evolutionstheorie wissen: Der Mensch ist ein Primat. (Menschenrechte für Tiere! Dringend!) Freud und die Tiefenpsychologie  wissen: Der Mensch ist ein triebgesteuertes Wesen.

Was bleibt?

  • Statt dem Vorbild der Antike gar keins
  • Statt Bildung Berufsausbildung
  • Statt Idealen Demontage und Dekonstruktion, von allem und jedem
  • Statt dem Schönen das Hässliche
  • Statt optimistischem nun pessimistisches Bild vom Menschen
  • Statt Selbstbestimmung und Selbstverantwortlichkeit des Einzenen der allzuständige Vater Staat und das gutmenschliche Erziehungs- und Besserungsprogramm zum diesmal endgültig neuen gaaanz suuuperguten Menschen

Gesunder Menschenverstand geht gar nicht, die Kirche im Dorf lassen auch nicht. Oder doch?

 

facebooktwittergoogleemail

Ein Kommentar zu “Kolumne – Humanismus heute oder lausige Zeiten

  1. Der Humanismus heute ist in einer besseren Verfassung als jemals zuvor und eine der positiven Kräfte die unsere Gesellschaft immer stärker prägt. Allerdings hat er nichts mehr mit dem oben zitierten antiken Humanismus zu tun. Zum Glück, denn der ist tot!
    Statt älterer Lateinlehrer und Dorfschullehrer in Nordeuropa ist es heute eine internationale, generationsübergreifende, immer stärker werdende Bewegung, die sich den „happy human“ auf die Fahnen geschrieben hat.
    Und das mit Wissenschaft und Technik – und im Dienste des Wahren und gerne auch des Schönen. Wobei wir Humanisten allerdings von dem Guten heutzutage lieber Abstand halten, da es das Böse impliziert. Und das Böse lassen wir gerne in der Kirche, die langsam zum Glück aus allen Dörfern und Städten verschwindet – gemeinsam mit so obsoleten Konzepten wie Schuld und Sühne.
    Was bleibt dank des modernen Humanismus?
    Statt dem Vorbild der Antike ein vorwärtsgewandtes, wissenschaftliches Weltbild
    Statt Bildung Aufklärung und Wissen
    Statt Idealen ethische Werte
    Statt dem Schönen die Kunst
    Statt optimistischem oder pessimistischen Bild ein immer besseres Verständnis vom Menschen
    Statt gutmenschlichem Erziehungsprogramm lustige Humanismus-Kampagnen (http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/gottlos-gluecklich)

    Kirche im Dorf lassen geht gar nicht. Gesunder Menschenverstand ist eine Illusion, die sich jeder selbst zugutehält (und oft ausschließlich sich selbst).

    Wer eine der humanistischen Veranstaltungen dieser Tage besucht: Das Denkfest in Zürich, den World Sceptic Congress oder am 30. Mai 2013 den Humanistentag in Hamburg, der wird feststellen, dass es immer mehr Humanisten gibt, die eher sagen:
    Humanismus heute und rosige Zeiten


    Wer ob der humanistischen Begriffsvielfalt verwirrt ist, findet hier Hilfe:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Happy_Human
    http://en.wikipedia.org/wiki/Secular_humanism
    http://www.giordano-bruno-stiftung.de/aktivitaeten/staerkung-leitkultur-humanismus-aufklaerung
    http://www.humanismus.de/
    http://www.americanhumanist.org/