Kommentar (1) zur Handreichung “Einsatz von Tablets im Unterricht – organisatorische Aspekte”

Das Landesinstitut für Schulentwicklung schreibt in dieser Handreichung:
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2.1: Organisatorische Anforderungen
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Die Vorbereitungen und die nachfolgende Koordination sollten auf ein motiviertes Lehrerteam verteilt werden, in dem sich jeder einzelne verantwortlich für das Gelingen des Vorhabens fühlt. Zur effektiven Teamarbeit empfiehlt es sich, von einem Experten das Teambuilding begleiten zu lassen (siehe Lehrerfortbildungsserver). Die Lehrkräfte sollten sich hierzu möglichst aus eigener Motivation für das Vorhaben melden und im Hinblick auf personelle Ressourcen ausgewählt werden. Aufgrund der bevorstehenden Aufgaben bietet es sich an, eine technische Leitung, eine pädagogische Leitung und eine organisatorische Leitung als Teamstruktur zu bestimmen. Je nach personellen Ressourcen sollte für jede Leitung auch je eine Stellvertretung als Unterstützung im Team tätig sein.
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Zur Multiplikation bestehender Fähigkeiten und Fertigkeiten ist zudem rechtzeitig zu regeln, wer im Team für Fortbildungen innerhalb der Schule zuständig sein soll (i. F. als Fortbildner bezeichnet). Im Idealfall wird das gesamte Team für diese Aufgabe herangezogen.
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Das Team sollte durch die mitwirkende Schulleitung unterstützt werden, da eine Vielzahl von bedeutenden Entscheidungen zu treffen ist und die Schulleitung damit den Stellenwert des Vorhabens nach innen und außen signalisiert. Für die regelmäßigen Absprachen mit der Schulleitung bietet es sich an, dass diese an den regelmäßigen Teamkonferenzen teilnimmt und so als Zielverantwortlicher über den Stand, die Schwierigkeiten und Fortschritte stets informiert ist und ggf. unterstützend tätig sein kann.
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1. Worst- Case statt Ideal
Das Landesinstitut nimmt eine Idealvoraussetzung als organisatorische Grundanforderung für das Gelingen der Digitalisierung einer Schule, nämlich ein “motiviertes Lehrerteam”, das die Dinge in die Hand nimmt und dazu logischerweise auch kompetent sein muss. Es ist schön, wenn diese Idealbedingung gegeben ist, aber realistischer ist ein Worst- Case- Szenario: Es gibt nur eine oder zwei Lehrkräfte, die mit dem Computer im Unterricht ernsthaft arbeiten und dafür mit Zeit und Arbeit investieren wollen. Die ganz große Mehrzahl der Kollegen will nicht oder sporadisch, weil sie sich überfordert fühlt oder weil die Anfangshürden zu hoch sind. Es geht darum, die Pioniere zu entfesseln, und das sind im Normalfall erstmal einzelne Kolleginnen oder Kollegen. Diese müssen loslegen können.
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2. Teamstruktur
Eine Teamstruktur mit je einer technischen, einer pädagogischen und einer organisatorischen Leitung ist nur in einem Bilderbuchteam möglich. Hinter der Vorstellung einer technischen Leitung steht die Auffassung, dass die Schule ihre technische Infrastruktur selbst warten muss und dass es ein Intranet gibt, das gepflegt werden muss.
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Diese beiden Vorstellungen entsprechen teilweise der derzeitigen Realität, sollten aber tunlichst nicht der Zukunft entsprechen. In Zukunft sollte die technische Infrastruktur möglichst komplett extern gewartet werden, entweder von einer Firmen mit langfristigem (!) Vertrag oder besser noch zentral von einer leistungsfähigen Kommune. Mit BYOD reduziert sich der Anschaffungs- und Pflegeaufwand für schulische Geräte stark. Mehr dazu im nächsten Kommentar zum Thema “technische Anforderungen”. Das schulische Intranet sollte durch die kommende Lernplattform ersetzt werden, und zwar schnell durch Erschließung einer bestehenden Plattform statt durch einen weiteren Anlauf mit Ella.
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3. Fortbildung
Die Handreichung schlägt vor, rechtzeitig zu regeln, wer im Team für Fortbildungen innerhalb der Schule zuständig sein solle. Im Idealfall solle das gesamte Team für diese Aufgabe herangezogen werden.
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Ja, der Idealfall. Die Erfahrung ist: Fortbildungen zum Thema werden schlicht ignoriert. Die Erfahrung ist: Es fehlt über den einen oder die zwei Pioniere hinaus an Kompetenz. Und deshalb bin ich der Meinung, dass der Anschub für die Digitalisierung in der Breite von außen und von oben kommen muss, und zwar von den Fachberatern für Unterrichtsentwicklung. Nach Auskunft des ersten Digitalisierungsberichts der Landesregierung auf Seite 32 sind diese bereits auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. Wie gut, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls heißt es dort: “Dazu werden seit Februar 2018 rund 130 Multiplikatoren geschult, die wiederum die rund 2.800 Fachberaterinnen und Fachberater im Land bis Ende 2019 fortbilden sollen. Nach ihrer Qualifizierung sollen die Fachberater das Thema in ihren fachspezifischen oder schulartspezifischen Fortbildungsangeboten aufgreifen, mit denen jährlich rund 50.000 Lehrkräfte erreicht werden.”
kkk
Das erscheint mir etwas unspezifisch und auch unzureichend. Wer durchschlagenden Erfolg will, muss erstens die nötige Infrastruktur bereitstellen, dazu mehr im folgenden Kommentar “technische Anforderungen”. Er muss zweitens eine vorbereitende, begleitende und nachbearbeitende, VERPFLICHTENDE Fortbildung schaffen, die am Bedarf der Kollegen ansetzt.
kkk
Wenn Lehrer und Schüler ihre eigenen Geräte in der Schule nutzen können, ist davon auszugehen, dass sie diese samt der wichtigsten Programme auch bedienen können. Generell ist auf die Nutzung kostenloser Standardprogramme zu orientieren. Die Wahl muss aber dem Lehrer in pädagogischer Freiheit überlassen bleiben. Außerdem ist davon auszugehen, dass Schüler ihren Lehrern unter diesen Bedingungen Anregungen geben und helfen.
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Die Fortbildung des Landes bei der Digitalisierung muss sich deshalb
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  • zum einen auf die Nutzung der vom Land gewählten Bildungsplattform konzentrieren
  • zum anderen fächerspezifische Nutzungsmöglichkeiten von IT aufzeigen
  • zu diesem Zweck auch Best Practice- Beispiele, die auf dem Landesbildungsserver oder gleich in der Lernplattform anzusiedeln wären, in die Fobi einfließen zu lassen.  Im ersten Digitalisierungsbericht steht auf S.35: “Mit den so genannten „Future Learning Labs“ sollen Best Practice-Beispiele zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht interessierten Schulen zugänglich gemacht werden.” O.k., auch das geht. Scheint eine extra Baustelle zu sein.
Fortbildung zur Nutzung von Lernplattformen:
Unter einer vorbereitenden Fortbildung stelle ich mir vor:
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  • im ersten Durchgang Interessierte, danach weitere Kollegen fortbilden
  • Nach einem festgelegten Zeitraum müssen ALLE Kollegen verpflichtend eine Fortbildung zur Nutzung der Lernplattform erhalten haben
  • Es müsste meines Erachtens um die Vorstellung der voreingestellten Lernplattform gehen
  • Gemeinsam mit jedem Kollegen sollten dessen einzelne Klassen angelegt werden
  • Die organisatorisch- rechtlichen Vorbereitungen zur Einführung der Plattform bei den Eltern sollten gezeigt werden
  • Nutzungsbeispiele sollten gezeigt und aktiv durchgeführt werden
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Unter begleitender Fortbildung stelle ich mir vor:
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  • Die Schulen erhalten einen Fortbildner zugewiesen, der Ansprechpartner für Schulleitung und Kollegium der betreffenden Schule ist. Bei Problemen hilft er. Er fragt von sich aus regelmäßig nach.
Unter nachbereitender Fortbildung stelle ich mir vor:
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  • Es muss Nachbesprechungen mit Rückmeldungen und Problemlösungen geben, zum Nutzen aller
4. Schulleitung
“Das Team sollte durch die mitwirkende Schulleitung unterstützt werden.” Das ist wahr, aber dafür müssen vorher viele dicke Bretter gebohrt werden. Die Erfahrung lehrt, dass überzeugte Führungskräfte die Entwicklung nachhaltig zum Negativen oder Positiven beeinflussen können. Deswegen ist insbesondere bei den Schulleitern anzusetzen, die besonders intensiv geschult werden müssen. Es muss sich um Pflichtfortbildungen handeln!
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5. Studienseminare
Es sollte kein Ausbildungsseminar geben, das nicht selbst
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  • die Ausbildung auf Lernplattformen aufbaut
  • digital basiert unterrichtet, auch und gerade in den Seminaren
  • auf dem jeweils aktuellen Stand der Lehrerfortbildung zur Digitalisierung steht

Sätze wie die, dass Digititalisierung nur eine Teilaufgabe sei und dass es außer der Digitalisierung auch noch andere Probleme gebe, reflektieren nicht, dass die Digitalisierung laut Digitalisierungsbericht eine Querschnittsaufgabe ist.

Ein Kommentar zu “Kommentar (1) zur Handreichung “Einsatz von Tablets im Unterricht – organisatorische Aspekte”

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