Interne Studie zur Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg kommt zu vernichtenden Ergebnissen

In einem Artikel von Heike Schmoll in der FAZ vom 16.08.2015 steht zu lesen:

“Nun wurde ein vernichtendes Gutachten über die Gemeinschaftsschule bekannt, das vom Kultusministerium bisher unter Verschluss gehalten wird, den Vermerk `nur intern verwenden` trägt und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Danach gelingt weder die neue Unterrichtsform des selbständigen Lernens mit Lehrern als Lernbegleitern noch die Inklusion oder die besondere Förderung der Schwächsten und Stärksten. Auch die Leistungsbeurteilung ist mehr als fragwürdig. In den Fremdsprachen kommt das Sprechen zu kurz.”

Untersucht wurde die Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen, “die von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) gern als beispielhaft bezeichnet wird”. Ihr Schulleiter “Friedrichsdorf tourt durch das Land und wirbt für das veränderte Lernen, wenn irgendwo eine Gemeinschaftsschule gegründet werden soll”, so Heike Schmoll. Es geht also nicht um irgendeine Klitsche, die leicht angreifbar sein könnte, sondern um eine Vorzeigeschule des Kultusministeriums!

Die Mängelliste ist lang, wer sie kennen lernen will, sollte den ganzen FAZ- Artikel lesen. Ich greife nur zwei Aspekte heraus, auf die ich immer wieder hingewiesen habe, und zitiere weiter aus dem Artikel:

“Lehrerzentrierte, als besonders effektiv erwiesene Unterrichtsformen und Klassengespräche gibt es in Tübingen so gut wie nicht.”

Das ist meine Rede seit langem. Die Schüler arbeiten Lernpakete ab, die Auswertung in der Klasse kommt völlig zu kurz. Die Schüler bleiben im Grunde sich selbst überlassen.

Und:

“Während leistungsstärkere Schüler mit der Selbständigkeit gut umgehen können und auch Lernstrategien beherrschen, geraten die schwächeren noch mehr ins Hintertreffen als ohnehin schon. Den Lehrern fehlt der Überblick, welcher Schüler woran arbeitet, welche Fortschritte er macht und die Kontrolle der Ergebnisse kommt zu kurz. Wenn überhaupt, schauen die Lehrer nach Vollständigkeit, Orthographie, Grammatik und Seitenzahl, während ‘die inhaltliche Qualität der Schülerarbeiten hintangestellt wurde’.”

Die Kontrolle der Ergebnisse kommt zu kurz! Die inhaltliche Qualität wird hintangestellt! Schwächere Schüler geraten noch mehr ins Hintertreffen! Deutlicher kann das Versagen von Schule doch gar nicht festgestellt werden! Außerdem erfährt man, dass die Individualisierung von Lernaufgaben fehlt und die Lernzeiten nicht effektiv genutzt werden und die Methoden der Leistungsmessung “fragwürdig” sind, auch rechtlich. Aber was zählt heute Recht gegen Ideologie.

Lustigerweise schreibt Frau Schmoll, dass “auch die eilig verabreichten Lehrerfortbildungen durch den umstrittenen Schweizer Schulpraktiker Peter Fratton” nichts gebracht hätten. Wen wundert es? Handelt es sich doch um einen Herrn, der in seinem “Haus des Lernens” vier Urbitten formuliert: Bringe mir nichts bei! Erkläre mir nicht! Erziehe mich nicht! Motiviere mich nicht! Solche Anbieter dürfen in Baden- Württemberg Lehrer fortbilden!

In der Zwischenzeit ist er weg vom Fenster, die Gemeinschaftsschule aber nicht unbedingt. Da das ganze Projekt durch und durch ideologiebedingt ist, da Argumente nichts zählen und Rot-Grün sein krachendes schulpolitisches Scheitern natürlich nicht zugeben wird, wird weitergewurstelt, und wie die nächsten Landtagswahlen ausgehen, ist ungewiss. Gewiss aber ist, dass es mit Baden- Württemberg (nicht nur) schulpolitisch weiter bergab geht.

Meiner Meinung nach war im alten dreigliedrigen baden-württembergischen Schulmodell mit seiner extrem hohen Durchlässigkeit für jeden die optimale Schule vorhanden. Was an sinnvoller Schulreform möglich ist, sollte und kann innerhalb der jeweiligen Schulform umgesetzt werden. Die Gemeinschaftsschule als teuren Schulversuch auf dem Rücken der Kinder sollte man schnellstens in der Versenkung verschwinden lassen.

Hier geht es zu älteren Artikeln des Geschichtszentrums zur Gemeinschaftsschule:

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3 Kommentare zu “Interne Studie zur Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg kommt zu vernichtenden Ergebnissen

  1. Mir tun alle Kinder in einer Gemeinschaftsschule leid, jeder Schüler hat besondere Fähigkeiten, doch in so einer Schule wird weder darauf geachtet was ein jeder einzelne Schüler kann, oder wie den schwächeren Schüler geholfen werden kann oder aber ob sie weiter gefördert werden können!!Am meisten tut mir die Lehrerinnen oder der Lehrer leid.!!Was nütz den Lehrern das zweite Staatsexamen wenn man die Kinder individuell arbeiten lassen soll und die Schüler in den Hausgang schicken muss um ihre Klassenarbeit heute ,jetzt und wann und wo gerade auch immer der Schüler meint!(Der Unterricht muss ja weiterlaufen!!) Doch da ja in jedem Fach mindestens10 Klassenarbeiten vorgeschrieben sind und die Schüler dann die Klassenarbeit schreiben müssen und dann noch zu welchem Zeitpunkt sie dazu Lust und Laune haben!!Und das manche Schüler keine Lust dazu haben oder einfach nichts gelernt haben. Wie soll so etwas funktionieren!!!

    • Sorry, es macht mich einfach traurig was in unseren Schulen heutzutage passiert!!Wo wird da der Lehrerberuf wirklich noch respektiert!