Von analogen Trotteln, digitalen Euphorikern und einem digitalen Pragmatiker

Im Netz hat sich was getan. Der Ex-taz-Journalist Christian Füller hat dem Offensichtlichen einen Namen gegeben, was vor ihm meines Wissens keiner getan hat. Er hat der tonangebenden Gruppe zu Fragen des Lernens mit digitalen Medien einen Namen gegeben: “digitale Euphoriker”.

Ich habe es immer auch so gesehen, bin aber nicht auf den einprägsamen Begriff gekommen. Der Begriff ist befreiend, bewirkt er doch, dass die bisher das Thema fast allein beherrschende Gruppierung als das erscheint, was sie wirklich ist: lediglich eine Fraktion, die zwar lautstark und zahlreich vertreten ist, aber ihren Mangel an echter Auseinandersetzung mit anderen Argumenten als den eigenen nicht verbergen kann.

Füller provoziert sogar, indem er von einer “Kirchengemeinde” der digitalen Euphoriker spricht, und auch der Hinweis auf den Dogmatismus dieser Gruppe sitzt.

Zentrale Glaubenssätze werden von Füller hinterfragt, zum Beispiel das propagandistische Zerrbild der real existierenden Schule, das von den Digitaleuphorikern zwecks eigener Profilierung gezeichnet wird. Da kriegt sogar nebenbei die Säulenheilige Lisa Rosa ganz selbstverständlich was ab. Ich möchte nicht alles einfach unterschreiben, was der Mann so von sich gibt, aber es hat ja schon reinigende Wirkung, wenn mal IRGENDWO ein Stück Realität sichtbar gemacht wird.

Auch dass analog vieles geht, digital aber besser, begreift der Mann im Unterschied zu den Euphorikern, denen alles Analoge ewig gestrig ist. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Ein erster Schritt zu einem pragmatischen Ansatz wird erkennbar, wenn auch nicht wirklich voll durchdacht.

Ich selbst bin digitaler Pragmatiker und damit völliger Außenseiter, klar, dass mir das den Mann sympathisch macht. Ich folge ihm auf Twitter (@ciffi), die Ehre hat er mir bisher noch nicht angetan ☺️.

Den “digitalen Euphorikern” setzt er die “analogen Trottel” entgegen. Ganz schön frech!

Ganz besonders gefällt mir, dass er sich traut, sich mit den Euphorikern in der Politik anzulegen, denn hier geht es ans Eingemachte. Solange sich die Euphoriker nämlich nur im Netz austoben, sind sie zwar im Netz scheinbar wichtig, bewegen in der Wirklichkeit aber nichts. Aber wehe, wenn sie sich mit Politikern verbünden, die stets das Gute wollen und stets das Gegenteil schaffen. Genau das zeichnet sich aber leider ab, aus Gründen, zu denen ich mich hier nicht äußere. Das Chaos, das durch eine Umsetzung der Ideologie der Euphoriker in die Wirklichkeit der Schule entstehen wird, wird sich hinterher nur noch schwer reparieren lassen. Mir tun die Kinder leid, die mal wieder die Versuchskarnickel sind. An die Niveauabsenkung und an das viele rausgeschmissene Geld will ich mal nicht denken.

Hier geht’s zu Christian Füllers Artikel “Die Digitalisierung zerstört die Schule (wie wir sie kennen)

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