Wo muss Bildungspolitik bei der Digitalisierung des Lernens ansetzen?

Ansatzpunkte müssten meiner Meinung nach sein:

 1. WLAN in jede Schule

Begründung

WLAN ist die Grundvoraussetzung für die Arbeit mit Smartphones, Tablets usw., also für BYOD. WLAN macht die Digitalpioniere unter den Lehrern unabhängig und setzt so Innovationspotenzial frei. Die Verhinderungsmehrheiten in den Lehrerzimmern und Rektoraten werden so umgangen.

2. Beamer in jedes Klassenzimmer

Begründung

Es können auch Monitore (preislich immer interessanter) oder Smartboards sein. Tatsache ist, dass erst die Möglichkeit, Materialien, Arbeitsergebnisse von Schülern, usw. zu projizieren, die Möglichkeiten der Digitalisierung voll erschließen. Was im analogen System die Kreidetafeln sind, sind im digitalen System Beamer, Monitore oder Whiteboards.

3. LMS (Lernmanagementsystem) für jede Schule, Abschaffung der schulischen lokalen Netzwerke

Begründung

Die ganze schulische IT – Infrastruktur stammt noch aus Zeiten, als die Cloud noch unentwickelt war. Heute brauchen wir keine schulischen lokalen Netzwerke mehr, die aufwändig von schlecht vergüteten Systemadministratoren verwaltet werden müssen, aber bei weitem, nicht einmal entfernt, das bringen, was Learning Management Systeme mit demselben oder vielleicht sogar weniger Verwaltungsaufwand bringen. Man sollte natürlich ein LMS nehmen, das  keine Installationen auf irgendeinem privaten oder schulischen Rechner erfordert.

4. Keine Klassensätze von Tablets oder sonstigen Geräten auf Staatskosten, sondern BYOD

Begründung

Klassensätze sind rausgeschmissenes Geld, wenn die Schüler ohnehin eigene funktionierende Geräte im Raum haben. Die dahinter stehende Grundideen sind allesamt falsch:

- dass alles gut würde, wenn nur die Geräte vorhanden seien. Dass es in der Schule mit der Digitalisierung nicht vorangeht, liegt nicht an der mangelhaften Geräteausstattung, sondern an der mentalen Befindlichkeit von Lehrern und Schulleitern, teils auch von Eltern- und Gemeinderatsmehrheiten. In diesem Punkt sollte man sich keine Illusionen machen: Die Lehrer WOLLEN in ihrer großen Mehrheit nicht, aus manchen nachvollziehbaren und vielen aus meiner Sicht inakzeptablen Gründen. Auch die Referendarausbilder wollen im allgemeinen nicht.

- dass gleiche Geräte einfacher zu verwalten seien. Spätestens bei Schulwechsel oder Klassenwechsel müssen zumindest einige Geräte nachgekauft werden, da gibt es schon keine baugleichen Geräte mehr.

- dass gleiche, kostenlose Geräte für alle Chancengleichheit für alle Schüler bedeute. In Wirklichkeit kann man in allen Schulen theoretisch eine noch so perfekte Ausstattung hinstellen, aber was nützt das, wenn die große Mehrheit der Lehrer sie gar nicht oder höchstens sporadisch nützt? Besser wäre ein Ansatz, der alle willigen und befähigten Lehrer mit entsprechendem Equipment ausrüstet, aber dann ist das Geschrei natürlich groß. Diese heilige Kuh schlachtet wegen der Gleichheitsideologie keiner.

5. Lehrerfortbildung zur Digitalisierung

Begründung

Erfahrungsgemäß sind Computerfortbildungen für viele Lehrer nicht der Renner, die meisten nehmen nicht teil, nicht weil sie schlecht wären, sondern aus den oben genannten mentalen Gründen. Wer digital nicht arbeiten will, besucht auch keine entsprechende Fortbildung.

6. Referendarausbildung digital revolutionieren

Begründung

Der Knackpunkt ist die Referendarausbildung. Solange man dort nicht auf den digitalisierten Unterricht als Standardsituation und nicht als ergänzende Ausnahmesituation hin ausbildet und benotet, kann man den Rest vergessen. Die Widerstände gegen diesen Punkt sind riesig. Erst wenn sich die Digitalisierung im Bewusstsein der Bevölkerung so selbstverständlich durchgesetzt hat wie heute das Buch, wird sich etwas ändern, in den Schulen zuletzt, denn da werden heute personalpolitisch die Weichen für die nächsten dreißig Jahre gestellt.

7. Digitale Lehrbücher für mobiles Lernen bereit stellen.

Für Geschichte gibt es dafür GESCHICHTE ALS DENKFACH – Das digitale Lehrbuch des Geschichtszentrums. Preislich und rechtlich ist es so gestaltet, dass die innovativen Einzelkämpfer oder Minderheiten unter den Lehrern es problemlos verwenden können, denn:

- Man braucht nicht das ganze Buch zu kaufen, sondern nur den Teil, den man braucht.

- Die Verwendung in den eigenen Klassen durch den Lehrer, der gekauft hat, ist erlaubt.

- Man kann natürlich auch ausdrucken, aber unter Verlust der Vorteile digitalen Lernens.

Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis, zur Konzeption und zu Unterrichtszenarios.

Wie auch immer: Die Umsetzung der Punkte 1 WLAN und 2 Beamer würden schon viel bringen, weil die Willigen und Befähigten loslegen könnten.

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