Computer in der Schule – Peinliches Studienergebnis für Deutschland. Ein Artikel von ZEIT ONLINE

“Deutsche Schulen stehen bei der Computernutzung im internationalen Vergleich am Ende der Liste. Die Leiterin der ICILS- Studie, Birgit Eickelmann, erstaunt das nicht.”

Mich als Herausgeber des Geschichtszentrums auch nicht.

“Aber wenn man sich die Ausstattung der Schulen mit Computern oder die geringe Bedeutung des Themas in der Pädagogenausbildung anschaut, dann ist klar: Viel besser hätten wir im internationalen Vergleich nicht abschneiden können.”

Davon kann ich ein Lied singen. In meiner ganzen aktiven Dienstzeit an einem Gymnasium haben sich vielleicht 2 oder 3 Referendarinnen bzw. Referendare meinen computergestützten Unterricht angeschaut, obwohl ich seit den frühen 1990er Jahren den Computer im Unterricht benutzt habe. Ein computergestützte Unterrichtseinheit hat kein einziger gehalten.

Der Grund steht auch im ZEIT- Artikel: “In der Lehrerausbildung kommt der Einsatz digitaler Technologien nur am Rande vor.”

Auch das kann ich nur bestätigen. Unterrichtsbesuche und Lehrproben mit computerbasiertem Unterricht kommen praktisch nicht vor, und zwar, weil sie nicht verbindlich in den Prüfungsordnungen stehen. Spricht man darüber mit Referendarausbildern, so bekommt man zu hören, dass man so vieles zu vermitteln habe und anderes wichtiger sei als Unterricht mit dem Computer. Es gibt kein Bewusstsein von der Dringlichkeit der Frage, und zwar deshalb, weil auch die Ausbilder vermutlich nicht oder nur randständig mit Computern unterrichten. So wundert es nicht, wenn man angehende Lehrer nicht von der Notwendigkeit der Integration des Rechners in den Unterricht überzeugen kann.

Die Prognose, dass das auch noch lange so bleibt, dürfte zutreffen. Das liegt auch an einem widrigen Umfeld. Der Artikel spricht die Vorbehalte in den Lehrerzimmern an. Dort dominiert eine geballte Masse von Verweigerern mit unterschiedlichen Motiven das Feld, während im Internet ein euphorisches Lager von Computerfreaks vorherrscht, die mit dem Computer eine pädagogische Revolution in der Schule wollen.  Der Normallehrer sieht sich so nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch überfordert und hat den Eindruck, dass seine Arbeit nicht nur nicht geschätzt, sondern geradezu herabgesetzt wird, während er selbst wegen der Dauerreformen der Politiker und der Behörde nur noch am Rödeln ist, ohne dass für den Schüler mehr herauskommt als früher, eher im Gegenteil.

Was tun? Für mich als Herausgeber des Geschichtszentrums lauten die Konsequenzen:

  • Zielgruppe sind im Normalfall einzelne Kolleginnen und Kollegen, denen die Vorteile des Computers im Unterricht klar sind und die die Schülerinnen und Schüler daran teilhaben lassen wollen
  • Bereitstellung eines digitalen Lehrbuchs bzw. digitaler Unterrichtsmaterialien, das die Lehrer von der Erstellung eigenen Materials entlastet und die Vorteile digitalen Lernens sofort zugänglich macht
  • Bereitstellung einfacher Technik, im Falle des Lehrbuchs PDF- Dateien, die den Einstieg in die Digitalität erleichtern
  • Optimierung des digitalen Lehrbuchs auf mobiles Lernen, was Seitenumfang wie Layout betrifft, weil die Zukunft dem mobilen Lernen gehört.
  • Gemäßigte pädagogische Weiterentwicklung statt pädagogische Revolution

Hier der ganze ZEIT- Artikel

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